„Meine sehr geehrten Damen und Herren“…Teil 2 von Peter Hohmanns Kaffeesätzen

Die Gespräche verstummten, als Volker und ich eintraten.

Dutzende Augenpaare hefteten sich auf mich. Stirnrunzeln, hier und da ein Naserümpfen. 👃
Logo, die Würdenträger der Firma in ihren schnieken Anzügen echauffierten sich, dass ich aussah, als wäre ich von Noahs Arche in die Fluten gehüpft. 💦💦💦

Wieso prangte bei denen eigentlich nicht einmal der kleinste Wasserfleck auf dem Stoff? Hatten die hier gepennt oder was? Zuzutrauen wäre es diesen Workaholics.

Nicht aus der Fassung bringen lassen, Benno!

Mit innerlich hochgerecktem Mittelfinger 🖕 schritt ich zum Arbeitstisch, zwang mich aber zu einem wohlmeinenden Lächeln für die Vorstands-Fuzzis, weil es bei dieser Präsentation leider um meine berufliche Karriere ging.

Irgendwo hatte ich mal aufgeschnappt, dass es im Leben eines jeden Menschen ein Zeitfenster von fünfzehn Minuten gab – oder fünf? –, das er nutzen konnte, um berühmt zu werden.

Ließ man diese Chance verstreichen, bedeutete das: nine to five (unbezahlte Überstunden nicht mit eingerechnet), wenig Kohle, wenig Chancen bei den wirklich heißen Chicks – summa summarum eben ein Leben, bei dem man bei den SIMS neu anfangen würde.

Berühmt würde ich nie werden, selbst wenn man mir drei Stunden Bühnenzeit kredenzte – zumindest aber wollte ich die kommenden Minuten dazu nutzen, vom bedeutungslosen (und vor allem unterbezahlten) Schreibtischtäter zum Teamleiter aufzusteigen. 💰↗

Nach sieben Jahren in dieser Klitsche war es dafür auch höchste Zeit.
Um mich woanders zu bewerben, war ich zu faul. Um schneller in derselben Firma aufzusteigen, auch. Falls das hier schiefging, würde es so aussehen:

Noch mehr Raucherpausen, noch mehr Kaffee und abends der schleichende Übergang von Brauereiprodukten zu Destillaten, weil der liebe Herrgott bei dieser ganzen Chose vergessen hatte, den Neustart-Button zu implementieren.

Oder er hatte ihn absichtlich weggelassen.
Nun ja, wie dem auch sei: Um mir `ne Knarre an die Schläfe zu halten, um einen Reset zu erzwingen, nein, so krass unterwegs war ich nicht.

Kaffee hatte er immerhin mit hinein konfiguriert. Gab ´nen Pluspunkt auf meiner Agnostiker-Skala.
Ach ja, Kaffee ... ☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕☕

Auch wenn die Voraussetzungen für einen Erfolg der Präsentation aufgrund meines Koffeinmangels so hell strahlten wie eine kaputte Taschenlampe in einem Bohrschacht, war es zu spät für einen hexit – einen hard exit.

Außer, ich täuschte eine Ohnmacht vor. 😵

Von meiner Gesichtsfarbe her – die bei mir bis mindestens mittags zwischen graugrün und graugrau oszillierte – würde man mir das sogar abkaufen, vorausgesetzt, ich bekäme einen überzeugenden Seufzer mit schauträchtigem Sturz hin, bei dem ich den bereitstehenden Mac mit vom Tisch riss. 🍏💥

Mann, Benno! Jetzt mach dir nicht ins Hemd! Zieh den Shit durch! ✊✊✊✊

Ich erreichte den Tisch, wandte mich den Honoratioren zu und stützte die Hände auf die Platte, damit niemandem auffiel, dass meine Finger zitterten.

Mann, wie ich es hasste, wenn man mich anstarrte! 😡

Zum Glück ergriff Volker die Initiative, indem er die VIPs persönlich mit Namen begrüßte. Zwischen „Schön, dass Sie da sind, Herr Waschbichler“ und „Herzlich willkommen, Frau Prandinger-Schlatterfreud“ warf er mir einen hastigen Seitenblick zu.

Ich schluckte die Trockenheit in meiner Kehle weg und nickte ihm zu, was ihn zu erleichtern schien, denn nun wirkte sein Lächeln nur noch zu sechzig Prozent aufgesetzt.

Nachdem er die salbungsvolle Begrüßungsrunde beendet hatte, schickte er einen zweiten Blick in meine Richtung.
Ich nahm einen tiefen Atemzug und lächelte, bestrebt, ebenfalls mindestens vierzig Prozent Echtheit zu erreichen.

"Meine sehr geehrten Damen und Herren..." 😐

sagte ich, räusperte mich und versuchte fieberhaft, den Faden wiederzufinden, den ich nach dem leicht kippelig ausgesprochenen „Herren“ bereits verloren hatte.

Scheiße!

Um was ging es noch mal? 😳

Von Teil 2 "Meine sehr geehrten Damen und Herren" geht es hier zu Teil 1: Kaffeesatz leeren...

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