Warum deine Aufnahme mies klingt… und was du dagegen tun kannst!

Du versuchst gerade deinen ersten eigenen Podcast an den Start zu kriegen? Oder sprichst ein Voice Over für ein Unternehmensvideo ein? Oder hast Lust dich als Synchronsprecher*in zu versuchen? Super! Lass dich nicht entmutigen, das ist alles gut machbar und für jeden leicht erlernbar. Aber gerade bei der Aufnahme gibt es ein paar Fallstricke, die ich dir aufzeigen möchte.
Denn bei Audioaufnahmen gilt ein einfaches Prinzip: Shit in - Shit out. Man kann eine schlechte Aufnahme nicht vergolden, höchstens durch enormen Aufwand etwas polieren. Daher ist eine möglichst saubere Aufnahme und damit ein qualitatives Ausgangsmaterial das höchste Ziel!

Ich gehe davon aus, dass du ein vernünftiges Mikrofon hast, wenn du gerade direkt in dein Smartphone einsprichst oder dein Laptop Mikrofon benutzt - bitte lies gar nicht weiter, sondern besorg dir als erstes ein vernünftiges Mikrofon, denn damit klingt deine Aufnahme viel besser. Es gibt z.B. schon ab 50€ Ansteckmikros für Smartphones oder auch gleich ein richtiges Podcastmikrofon.

Wie immer gibt's nach oben keine Grenze, aber jeder fängt mal klein an!

Fehler #1 - Falsche Gain Einstellung

Du nimmst eine Stunde lang deinen Podcast auf, hattest ein super Gespräch mit deiner / deinem Interviewpartner*in, lädst danach deine Aufnahme in deine DAW (=Digital Audio Workstation - d.h. dein Schnittprogramm) und plötzlich sieht die Waveform des Audiofiles so aus:

Fall 1: Zu Leise - zu wenig Gain

oder auch so:

Fall 2: Zu laut - zuviel Gain

Tja... Dann kannst du deine Aufnahme mehr oder weniger  wegwerfen (zumindest im zweiten Fall).

Ist deine Aufnahme zu leise, kannst du diese natürlich verstärken. Du wirst dann auch wieder eine halbwegs passable Aufnahme haben, aber Vorsicht: Durch die Verstärkung ziehst du automatisch auch alle Störgeräusche (z.B. das Grundrauschen deines Mikrofons oder ein Ventilator im Aufnahmeraum, etc.) mit hoch. Der Abstand zwischen Lautstärke deiner Stimme und den Lautstärken der Hintergrundgeräusche ist dann einfach nicht mehr gegeben (im Fachjargon: Die SNR = Signal-Noise-Ratio passt nicht mehr) - und deine Aufnahme ist voll mit Rauschen.

 

Klingt deine Aufnahme hingegen zu laut, d.h. sie übersteuert, wie im zweiten Fall... Dann lösch das File einfach. Hier ist nichts mehr zu retten. Deine Stimme wird digital verzerrt (absolut unangenehm fürs Ohr) und deine Aufnahme ist unbrauchbar. Achte beim nächsten Mal auf die Clipping Anzeige (das ist das Rote Licht, das entweder am Mikrofon selber aufleuchtet oder in deiner DAW, wenn du den Eingangspegel kontrollierst.)

Doch was ist da richtig? Naja... das ist wie immer nicht so einfach zu sagen. Hast du eine Pegelanzeige in deiner DAW, dann sprich vor der Aufnahme einfach ein paar Sätze und stell den Gain so ein, dass sich der Pegel gut im Grünen Bereich befindet und bei lauten Wörtern in den gelben Bereich ausschlägt. Lass genug Puffer (=Headroom), damit du nicht in die Verzerrung (=Clipping, d.h. der rote Bereich) kommst, wenn du mal laut los lachst oder zu nah ans Mikro kommst.

Fehler #2 - Die falsche Mikrofonausrichtung

Bei der Mikrofonausrichtung gibt es zwei entscheidende Faktoren. Der Mikrofon-Abstand und die Mikrofon Charakteristik.

1. Der Mikrofonabstand

Idealerweise hast du ca. 15-20cm Abstand zum Mikrofon. Das ist nicht in Stein gemeißelt, aber eine gute Faustregel. Problem ist Folgendes:

Bist du zu weit weg, klingt deine Stimme zu dünn, wie bei einer schlechten Handyaufnahme und die SNR (jaha - mittlerweile kennst du den Begriff! Be proud!) ist wieder schlecht, denn deine Stimme ist nur ein wenig lauter als die Hintergrundgeräusche.

Bist du zu nah dran, wird der Nahbesprechungseffekt zu aggressiv, d.h. der Bass in deiner Stimme wird übertrieben betont und jeder "p", "t" und sonstiger Plopp Laut wird ein bassiges BOOOM in der Aufnahme. Hier hilft etwas Abstand und ein Poppschutz am Mikrofon.

In diesem Beispiel hört man die unterschiedlichen Abstände. Auch wenn ihr euch denkt "zu nah klingt doch eigentlich ganz gut? Klingt doch wie im Radio!" - achtet mal auf das Wummern beim "b" des Wortes "Abstand"

2. Die Mikrofoncharakteristik

Es gibt verschiedene Richt-Charakteristika bei Mikrofonen (z.B. Kugel, Acht, Niere, Superniere) aber ich will hier gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Ein Mikro hat ähnlich wie ein Auge ein gewisses "Sichtfeld", in dem es Dinge gut wahrnimmt. Je nach Mikrofontyp kann das überall um das Mikro sein (Kugel), d.h. aber auch dass jedes Störgeräusch genauso aufgenommen wird. Oder z.B. nur besonders gut auf einer Seite des Mikrofons (Niere). Würdest du das Mikro nun verkehrt herum aufstellen, wäre z.b. die Person dir gegenüber deutlich zu hören, du selber jedoch kaum.

Achte daher darauf, wie du dein Mikrofon aufstellst und auf welchen Seiten das Mikro besonders empfindlich ist. Genau da sprichst du rein! Sehr wichtig, damit deine Aufnahme gut klingt.

In diesem Beispel hab ich einmal in die Vorderseite und einmal in die Rückseite bei exakt gleichem Abstand und gleichem Pegel eingesprochen.

Fehler #3 - Die falsche Umgebung

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. 👏🏽 VERMEIDET 👏🏽 HALL 👏🏽 UM 👏🏽 JEDEN 👏🏽 PREIS. Zumindest, wenn es um Sprachaufnahmen geht. Ihr könnt noch so eine wissenschaftlich perfekte und höchst spannende Abhandlung über Quantenphysik in einen 3 minütigen Monolog verpacken - jede(r) Zuhörer*in wird nach einer Minute ausschalten, wenn sie oder er das Gefühl hat, dass du gerade in einem Flugzeughangar oder einer Fabrikhalle sitzt. Und auch dein Büro klingt vermutlich nach einer Fabrikhalle, wenn du keine Absorber an der Wand oder zumindest eine abgehängte Akustikdecke hast. Wir sprechen bei Räumen mit wenig Nachhall von "trockenen" Räumen, damit deine Aufnahme ordentlich klingt. Hierfür brauchst du vor allem Schalldämmung. Gut hierfür ist z.B.

  • euer Konferenzraum, denn die sind meist akustisch optimiert, weil dort viel gesprochen wird
  • eine Schall- oder Telefonkabine für Büros
  • ein Auto
  • ein Raum in dem viele Stoffe sind, z.B. viele Teppiche, Decken, Sofas, etc.
  • in der freien Natur, denn da gibt es keinen / kaum Nachhall - dafür aber meist viele Störgeräusche. Aber hey - lieber Vogelgezwitscher als Hall auf deiner Aufnahme!
  • Tonstudios oder Räume für Sprachaufnahmen

Außerdem ist das Mikrofon sensibler für Störgeräusche als deine Ohren in Kombination mit deinem Gehirn. Stell dir einfach vor, du wohnst neben einem Bach. Irgendwann nimmst du das Plätschern nicht mehr wahr, es gehört für dich zum normalen Grundrauschen. Oder der Lüfter deines PCs pustet so vor sich hin. Das hörst du nach zwei Stunden Arbeit nicht mehr. Aber dein Mikrofon schon, denn es besitzt kein Gehirn und damit auch keinen Filter.

Daher die zwei fundamentalsten Grundregeln:

  1. Egal wie leise die Störgeräusche - schalte alles aus, was nicht benötigt wird und mach deine Umgebung so leise, wie nur irgendwie möglich! 
  2. Nimm in einem möglichst trockenen Raum auf! Jeder Nachhall ist schlecht.

Fehler #4 - Die falsche Bearbeitung

Fürs Thema Mixing & Mastering kommt mit Sicherheit in Zukunft noch ein eigener Blog Beitrag, denn das ist ein ganz eigenes Kapitel. Es sei nur so viel gesagt: In der Nachbearbeitung lässt sich das Material ganz leicht kaputt machen. Und super schlechtes Material lässt sich einfach nicht retten - shit in, shit out - das hatten wir ja schon...

Hier ein paar Tipps:

Achte auf deine Schnitte!

Schneide am besten in Nulldurchgängen, d.h. in Momenten von Stille. Dann hast du kein Knacksen im Schnitt. Falls das nicht möglich ist, versuche Fades zu benutzen, d.h. du blendest die Lautstärke am Schnittende aus und am Schnittbeginn des nächsten Clips ein. Damit vermeidest du Störgeräusche. Die meisten DAWs bieten auch die Möglichkeit, zwei Clips zu überblenden (=Crossfade).

Pro Tip: Schneide im Wort mit denselben Übergängen. Hast du zum Beispiel den Satz. "Ich betone, dass ich absolut nicht zustimme und bekräftige, dass wir dafür nicht einstehen" könntest du in der Silbe "Be-" des worts Betonen schneiden und daran dann "-kräftige" anhängen. Wenn das gut gemacht ist, wird man den Schnitt nicht hören können. Hier das Beispiel dazu:

Nicht zu viele Effekte

Natürlich kannst du mit EQ, Kompressor, etc. im Mix den Klang erst richtig optimieren, aber gerade mit Restorationstools wie "De-Reverb" "De-Noise" oder "De-Hum" muss man vorsichtig sein. Natürlich kann man damit die Sprachverständlichkeit verbessern, wenn die Aufnahme zu hallig ist (Gehe zurück zu Fehler #3, ziehe keine 4000€ ein und nimm am besten neu auf!), allerdings hört man dann auch sehr schnell seltsame Artefakte.

Für dieses Beispiel benötigt man ein etwas trainiertes Ohr. Der erste Satz ist ein wenig zu hallig, die Wiederholung ist dann durch einen De-Reverb bearbeitet. Der Hall ist zwar fast weg, allerdings klingt die Stimme jetzt seltsam digital.

Du siehst, man kann schon viel retten, aber es ist immer ein Kompromiss. Und viel Arbeit. Und das wäre alles nicht nötig, wenn man einfach von vornherein richtig aufnimmt.

Fazit

Eine gute Aufnahme für Podcasts oder Voice Overs zu bekommen, ist nicht besonders schwer. Aber es kommt vor allem auf die Vorbereitung und deine Aufnahmeumgebung an, damit eine Aufnahme gut klingt. Alles was danach digital passiert, ist meist nur noch Optimierung.

Ich hoffe, diese Tipps konnten dir helfen und ich freue mich schon darauf, wenn ich deinen Podcast mal auf Spotify und Co. neben unseren Jobcasts & Kaffeesätzen finde! Also - wir hören uns :)

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