NEW WORK Saga Teil 1 – Eine Arbeit, die du wirklich, wirklich willst!

Wir wollen für euch in einer kleinen Serie den Begriff „new work“ und den Diskurs darüber beleuchten. Hyper, hyper!

 

Was verstehst du eigentlich unter dem Buzzword: new work?
Denkst du an Digitalisierung und ans Arbeiten von Zuhause? An interdisziplinäre Teams und an Selbstbestimmtheit in der Ausführung von anstehenden Aufgaben?
Egal wann oder wo du arbeitest, solange du den Job machst, sind deine Vorgesetzten zufrieden… ist das new work für dich?
Hoppla, es sind ja keine Vorgesetzten mehr – dafür haben wir jetzt schönere Euphemismen gefunden: Mentoren, enabler, best friends, Coaches auf Augenhöhe… so werden ja die Chef*innen im new work Kosmos genannt.

Der Vordenker der Neuen Arbeit, Fritjhof Bergmann (*1930; ✝2021), dreht bei dieser Verkürzung des Begriffs in seinem relativ frisch geschaufelten Grabe Pirouetten.
Er hatte Anderes im Sinn, als er sein Konzept der „new work“ erfand und damit zum geistigen Vater einer (nun ja großes Wort) Revolution wurde, die mittlerweile aber bereits ihre eigenen Kinder verspeist.

Kleine Zwischenfrage:
Was haben ein Tellerwäscher, ein Theaterregisseur, ein Boxer, ein Philosoph und ein Hafenarbeiter gemeinsam? 
Antwort: Das sind alles Jobs, die Fritjhof Bergmann ausübte und genau aus dieser Vielfalt zog er auch die Inspiration zu seinen philosophischen Thesen.

 

Vom Tellerwäscher zum godfather of new work 🙌

Bergmann war ein Hippie-Unikat. Heutzutage würde so mancher start up Boss mit glossy Büro wohl die Nase rümpfen, wenn er den leicht schmuddelig wirkenden Selbstversorger mit dem Che Guevara Look getroffen hätte.

Der 1930 geborene Alman aus Sachsen-Anhalt, emigrierte nach der Erfahrung des europäischen Faschismus aus Österreich in die USA.
Er arbeitete als Tellerwäscher, Preisboxer und Hafenarbeiter, schrieb Theaterstücke und lebte zwei Jahre als Selbstversorger auf dem Land bevor er sich der Philosophie und seinem Lebensthema Mensch und Arbeit widmete. Bis 1999 arbeitete er als Professor für Philosophie und Kulturanthropologie an der University of Michigan. Seine Kernthesen zur new work stammen aus den späten 70er und frühen 80er Jahren.
Am 24. Mai 2021 ist Frithjof Bergmann im Alter von 91 Jahren verstorben.

 

Tiere füttern und freilassen – Tiere mästen und verkaufen

Seine new work Thesen unterscheiden sich fundamental von den Grundannahmen, die heute über new work durch die start up-bubble flirren.
Um es in einem griffigen Beispiel zu erklären:
Bergmann erging es mit seinen Thesen ein bisschen wie einem Papa, der seinen Kindern gezeigt hat wie man Tiere füttert, um sie gut durch den Winter zu bringen und dann im Frühling freizulassen. Die Kinder (Google und co.) hörten gut zu und fütterten die Tiere brav. Dann bauten sie schöne große Gehege und begannen die Tiere zu mästen…im Frühling wurden die Tiere dann an den Höchstbietenden verkauft…es ging also nicht mehr um das gute Leben der Tierchen sondern um (du hast es bereits erraten) Katsching-Katsching 🤑  💰 …money…

 

 

Wo und wann arbeite ich versus was will ich eigentlich?

Bergmanns Konzept der neuen Arbeit steht auf den drei zentralen Säulen Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft.
Kurz gesagt: Ihm ging es darum, dass sich Menschen lebendiger fühlen, indem sie eine Verwirklichung in der Arbeit finden und sich genau überlegen, was sie sich von ihrer Aufgabe wünschen.

Bei Selbstständigkeit und Freiheit ging es Bergmann nie um eine Entscheidungsfreiheit zwischen Alternativen: Von wo arbeite ich oder wann arbeite ich?
Diese Flexibilität wird heute oft mit new work assoziiert.
Dem guten Fritjhof ging es um die Handlungsfreiheit: Was tue ich, was erfüllt mich?

Er betonte außerdem den sozialen Aspekt von new work in der community, also in der direkten Umgebung eines Unternehmens.
Zudem warb Bergmann für eine Art Grundeinkommen, welches die automatisierte Arbeitswelt dem Menschen ermöglichen sollte. So sollten Menschen weniger arbeiten und dadurch Zeit für ihre persönliche Entwicklung und Erfüllung gewinnen.

Wahnsinn – durch automatisierte Abläufe kriegen alle Arbeitenden mehr Geld & Zeit und nicht nur die Unternehmer? Ein verrücktes Kerlchen dieser Fritjhof, da hat er wohl die Rechnung ohne den neoliberalen Kapitalismus gemacht! Wär ja noch schöner… Geld fair verteilen… hohoho also bitte, das geht wirklich gar nicht, du subversiver Hippie!

Die Thesen von Bergmann sind außerdem geprägt von einer Philosophie des Minimalismus. Er stellte in Frage welche (industriellen) Erzeugnisse der Mensch wirklich braucht, um zufrieden zu leben.

 

Was willst du wirklich, wirklich arbeiten?

Bergmanns Vision beinhaltete außerdem so genannte „Zentren für Neue Arbeit“.
An diesen Orten sollten Menschen gemeinsam mit Mentoren ihre „Selbstunkenntnis“ überwinden und sich auf die Suche nach einer Arbeit in Übereinstimmung mit ihren eigenen Wünschen, Hoffnungen, Träumen und skills begeben.

Diese Suche und Erkenntnis soll schließlich das Leben jedes Einzelnen so verändern, dass man sich „lebendig(er)“ fühle.
Durch diese Ideen hat er das moderne Denken über Arbeit in den westlichen Gesellschaften ganz schön verändert. Sinnhafte Arbeit (purpose) ist vielen Menschen heute wichtig. Klingt fast so als hätte der godfather of new work auch seinen Anteil an der Popularität des Coaching-Sektors.

Aber hast du schon mal ein Zentrum für neue Arbeit irgendwo in deiner Nähe gesehen?
Nein, hast du nicht, denn diese Zentren wurden nie flächendeckend Realität. Selbst bei den Initiatoren des ersten Zentrums (General Motors) sind die Erinnerungen an die 80er Jahre verblasst.

 

Kein Fahrplan, sondern ein Auftrag

Bergmann ging es nie darum die „klassische Lohnarbeit“ durch home office und Digitalisierung etwas angenehmer zu gestalten. Er ging davon aus, dass die meisten Menschen eigentlich gar nicht wissen, was sie richtig gerne arbeiten wollen und dass sie Hilfe brauchen, um das herauszufinden. Er nannte dieses Unwissen der eigenen Wünsche „Armut an Begierde“ und wollte Menschen helfen sich über ihre Bedürfnisse klar zu werden.

Einen Fahrplan wie die neue Arbeitswelt für jeden Einzelnen von uns aussehen kann, hat Fritjhof Bergmann also nicht hinterlassen, aber einen klaren Auftrag: Befasse dich mit dem was du wirklich, wirklich willst!

 

Wir bei OHRBEIT würdigen die Grundideen von Bergmann und feiern ihn als Visionär einer neuen Konzeption der Arbeit. Wir freuen uns sehr, wenn du hinter die erste schicke new work-Fassade der aktuellen Arbeitswelt schaust und dich fragst: Was will ich wirklich, wirklich!?

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