Deep Work, New Work – New Work Saga Teil 2

Wir wollen für dich in einer kleinen Serie den Begriff „new work“ und den Diskurs darüber beleuchten. Hyper, hyper! Was verstehst du eigentlich unter dem Hype-Wort: new work, was unter 'deep work' im Speziellen? Denkst du an Digitalisierung, Arbeiten von Zuhause und überall oder an interdisziplinäre Teams und an Selbstbestimmtheit in der Ausführung der anstehenden Aufgaben?In unserem ersten Beitrag haben wir uns die Grundidee von Fritjhof Bergmann angeschaut. Er stellte die Frage: Wie können wir Arbeit zu dem machen was stärkt, was gute Energie gibt? Der Ausdruck New Work wird in vielen Betrieben ganz selbstverständlich genutzt, aber geht es um das Wollen? Geht es um das was uns stärkt und uns gute Energie gibt?

Von den ursprünglichen Ideen ist in der Praxis übriggeblieben:

  • Yoga am Arbeitsplatz
  • Chill-Lounge & Kicker
  • Duz-Kultur
  • Arbeiten von überall
  • Coaching statt Führung
  • Digitale statt analoge Treffen

Oft wird New Work damit in Verbindung gebracht, die gute alte Büroarbeit irgendwie angenehmer für die Belegschaft zu machen.
Wie können wir es im Büro erträglicher machen, fragen sich die Feel Good Manager*innen der Nation. Denn Arbeit nervt halt und am System an sich wird es nicht liegen oder dieses heiße Eisen will nicht angefasst werden. Wenn du dich in den nächsten Zeilen wiederfindest, dann nimm die Beine in die Hand und lauf oder sieh ein, dass der Begriff New Work in deiner Firma nur show und shine ist!

Hamsterrad New Work erkennen

Bei deinem neuen Unternehmen ist eigentlich alles Funk! Alles glitzert und glänzt. Alles auf Augenhöhe, alles auf remote, alles auf Du, alles agile!
Von zuhause arbeiten mit freier Zeiteinteilung, keine Hierarchien sondern gleichberechtigte Teams, arbeiten von unterwegs, schicke interne Kommunikationsmittel wie Slack und co.
Die Möglichkeit mittags Sport zu machen und abends noch ein paar Minuten dranzuhängen.
Der workload ist frei einteilbar. Du schaust halt wieviel du packst… du und deine Chef*innen können über alles reden und all deine Probleme werden ein offenes Ohr bekommen. Außerdem kannst du wichtige Entscheidungen selbst treffen, du hast echte Verantwortung!

Upps der deep work load ist aber ganz schön heftig

Puh, ist ja ganz schön knackig die Aufgaben alle wie gewünscht zu wuppen. Ach so die anderen schaffen das auch? Die hängen einfach noch was dran am Abend? „Beamtenmentalität können wir hier nicht brauchen“, sagt dein senior team lead Jürgen.
„Na, wenn die Kollegen aus den USA was brauchen, dann brauchen die das halt, egal wieviel Uhr ist…“, sagt dein on boarding Coach Claudia.
Na, solange ich meine Projekte hier gewuppt kriege, ist die Stimmung spitze, denkst du dir. Voll New Work eben.
Da steht eine Entscheidung an und du entscheidest allein… natürlich nicht ganz… denn alle Freigaben laufen einzig und allein über den Tisch des Chefs. Eigentlich kannst du halt Vorschläge machen und ER entscheidet.

Solange alles klappt, sind alle nett…

Wenn mal was nicht klappt, dann ist aber Schluss mit lustig, da kannst du dann mit deiner vom Arbeitgeber kostenlos bereitgestellten Headspace-App ein bisschen Anger Management-Meditation betreiben, wenn der Chef oder die Chefin dir achtsam gesagt hat, dass du es nicht bringst… denn im Endeffekt geht’s nicht um dich, sondern um die KPIs.
Du hast echt gedacht, es geht um dich als Menschen? Gottchen, bist du süß…

Corona hat bei der schimmeligsten Knecht-Bude die Fenster geputzt und irgendwie ist alles blitzblank poliert auf New Work.
Unser Eindruck ist manchmal: (Junge) Firmen mit hohem workload und mittelmäßigem Gehalt locken Arbeitnehmende mit den großen buzzwords an Bord.
Im New Work-Sprech werden gewisse Punkte immer ganz großartig verkauft. Wenn man dann genauer hinschaut, dann ist alles nicht so dufte.

Sind new work und deep work wirklich Vorteile?

Ein Vor(ur)teil von New Work lautet zum Beispiel:

Im Home-Office gibt es weniger Ablenkung und Arbeitsunterbrechungen als im (Großraum)-Büro.
New Work begünstigt also fokussiertes Deep Work.

Wir haben zwei Kritikpunkte: Erstens kommt es auf die persönliche Situation & Lebensumgebung zuhause an.
Zu den persönlichen Umständen zuhause:
Es fokussiert mich ungemein wenn meine dreieinhalbjährige Tochter aus dem Kindergarten nach Hause kommt und fröhlich durchs Haus krakeelt, mehrfach versucht während wichtigen calls die Tür zu öffnen und gerne mit mir Pinguin spielen will… es ist auch sehr deep work fördernd, wenn ein Neugeborenes schreit und sich die Geschwisterkinder plötzlich solidarisch zeigen und mitmachen… am deepsten ist es aber, wenn deine Kleinkinder andere Kinder zu Gast haben und die Bude partymäßig abgefackelt wird, während du am Schreibtisch sitzt und eine Präsentation konzipieren musst…

Happy Home Office, Daddy!

Alle die Kinder haben: Hände hoch! Alle die schalldichte und schließbare Home Office-Bürotüren haben: Hände hoch… You name it! Alle die in einer teuren, kleinen Großstadtbude mit ihren kids hängen flüstern leise: Bitte lasst mich ins Büro!

In meiner ehemaligen WG habe ich auch im Home Office gearbeitet. Mein Mitbewohner kam manchmal morgens vom Feiern, mit After-Party-Begleitung und dann wurde erstmal laut und ausgiebig Liebe gemacht im Nebenraum, während ich Kundengespräche führte. War witzig, aber ging auch eher so medium mit dem Fokus.
Also für Menschen ohne Kinder und ohne Mitbewohner mag es stimmen: Deep Work, absoluter Fokus und keinerlei Quatsch sondern vollständige Hingabe & Effektivität ohne nervige Unterbrechungen – klingt gut, fast wie in einer Fabrik, modern times!

Müssen wir alle immer so deep work superoptimiert-tiefenfokussiert sein?

Damit wären wir bei meinem zweiten Kritikpunkt.
Zum Menschen in der Arbeit gehört Pause und In-Effektivität, persönliche Begegnung und abschweifende Gedanken. Immer deep work ist unheimlich effektiv und unheimlich un-menschlich. Es kommt auf eine gute Mischung an!

Wir fokussieren uns jetzt mal ganz doll drauf, den Fokus nicht zu übertreiben und einfach mal die Gedanken schweifen lassen... gar nicht so schlecht, oder?

Solche Bilder kommen bei iStock Fotos wenn man 'Fokus' sucht... merkst du was? 😉

Firmen wie Google und Apple, die weit vorne sind um Menschen produktiv und glücklich für sich schuften zu lassen sind eh schon wieder auf einem neuen Dampfer: Die Arbeitsplätze der Zukunft sind konzeptionell eher einem Campus nachempfunden und es wird viel Wert auf Begegnungsräume und persönlichen Austausch gelegt.

Wir bei OHRBEIT freuen uns sehr, wenn du hinter die erste schicke new work-Fassade der aktuellen Arbeitswelt schaust und dich fragst: Sind das wirklich Vorteile für mich?!
Übrigens: Im Teil III unserer New Work-Reihe hinterfragen wir weitere fünf vermeintliche Vorteile von New Work. Wir hören uns!

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