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Umdenken: Warum Sozialarbeiter hervorragende Scrum Master sind

"In der Softwareentwicklung tropft es von den Wänden, es braucht Menschen mit sozialem Know-How".

Das war, vor rund sechs Jahren, mein Einstieg in die agile Welt. Der Satz stammt von Daniel Neumann, einem langjährigen Freund und einem der Gründer der Elasticbrains, einer Digitalagentur in München.

Vom Drogenberater zum Scrum-Master

Vor vier Jahren bekam ich die Chance vom Sozialarbeiter und systemischen Therapeuten in ein Wirtschaftsunternehmen zu wechseln. So wurde ich vom Drogenberater zum Scrum Master. Dieser Schritt war mit Ende dreißig schon recht sportlich, schließlich war alles neu für mich. Aber er glückte und ich konnte über eineinhalb Jahre lang den Team-Aufbau in der App-Entwicklung unterstützen. Anschließend begann ich als Berater Kunden-Unternehmen auf ihrem Weg durch die agile Transformation zu begleiten.

Oft bekam ich zu hören, dass meine vermeintlichen technischen Defizite - die aufgrund meines Werdegangs in unterschiedlichen Branchen nicht zu leugnen sind - als Nachteil gesehen werden. Es ist natürlich wichtig, sich in wichtige Themen einzuarbeiten, z.B. ein grobes Verständnis des Release-Prozesses in der App-Entwicklung zu bekommen.

Der große Vorteil keinen Entwickler-Background zu haben liegt darin, dass man sich als nicht technisch versierter Scrum Master auch nicht in die technischen Belange der Entwickler einmischen kann. Das nicht hierarchische Arbeiten wird dadurch ebenfalls unterstützt. Mit einem unserer Kunden hatten wir genau diese Herausforderung. Der vom Kunden gestellte Scrum Master war technisch sehr bewandert und mischte sich immer wieder in das Vorgehen des Entwicklerteams ein.
Das Resultat: Großer Frust im Team. Das Projekt drohte in Schieflage zu geraten. Natürlich gilt diese Gefahr nicht für jeden technisch versierten Scrum Master. Glücklicherweise konnten wir die Entscheidungsträger überzeugen, den Scrum Master durch einen unserer ehemaligen Scrum Master/Sozialpädagogen zu ersetzen und damit positiven Einfluss auf das Projekt zu nehmen.

Aber was kann ein Scrum Master wirklich zum Erfolg eines Projektes beitragen?

“Psychological safety” umschreibt die Sicherheit für die Teammitglieder ihre Gedanken, Ideen aber auch ihre Sorgen und Ängste im Team zu teilen. In dem Artikel “What Google Learned From Its Quest to Build the Perfect Team” wird beschrieben, was die Forschungsergebnisse ergaben (Duhigg, 2016, S.20). Die Frage war, ob sich aus den Besten der Besten auch das beste Team ergibt. Das Ergebnis zeigte: Das beste Team ist das Team, in dem sich alle Beteiligten am sichersten fühlten und somit “psychological safety” (er)lebten. Ehrliches Vertrauen im direkten Arbeitsumfeld ebnet den Weg für eine gesunde, entspannte und motivierte Höchstleistung am Arbeitsplatz. Das klingt einfach. Dieses Arbeitsklima in Teams herzustellen ist jedoch nicht trivial.

SozialarbeiterInnen haben in ihrer Berufspraxis intensiven Kontakt mit Menschen in besonderen Lebenslagen, welche gesellschaftlich und sozial benachteiligt sind. Beispiele aus den früheren Berufsfeldern unserer KollegInnen sind das Begleiten in die Schule eines sechsjährigen Jungen mit autistischer Spektrumsstörung, das Arbeiten mit Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung in einer Wohngemeinschaft oder das Betreuen von drogenabhängigen Jugendlichen und deren Familien im Hochkonflikt-Umfeld.

Die Erfahrungen aus dieser herausfordernden Arbeit hinterlassen tiefe Spuren in der Haltung und dem Umgang mit Mitmenschen. Aus meiner Sicht haben SozialarbeiterInnen, die als Scrum Master ausgebildet wurden, alle Kompetenzen um “Psychological safety” als entscheidenden Erfolgsgaranten in einem Team zu etablieren.

Das gelingt uns als Scrum Master durch das Herstellen von Sicherheit, Vertrauen, Entspannung, einem großen Gemeinschaftsgefühl und einer positiven Grundeinstellung zu allen Herausforderungen des Berufsalltags in der Softwareentwicklung.

Soziale Kompetenz als wichtigste Expertise für Scrum Master

Das Studium der Sozialen Arbeit eröffnet den AbsolventInnen circa 220 Arbeitsfelder und bietet so einen breiten Zugang zum Arbeitsmarkt. Trotz dieser vielen Möglichkeiten, ist 'Soziale Kompetenz' DIE entscheidende Expertise, welche im Studium zur Sozialen Arbeit vermittelt und erlernt wird. Ein weiterer Punkt ist die Sensibilität für das Wahrnehmen von (versteckten) Hierarchien, welche in agilen Teams und im agilen Arbeitsumfeld nicht vorhanden sein sollten. Pädagogen haben das Gespür, um feine Nuancen in der verbalen Kommunikation und in der Körpersprache (Gestik und Mimik) zu erkennen und gegebenenfalls geschickt und diplomatisch zu intervenieren.

 

Sozialpädagogen sind perfekte Scrum Master

 

Ich möchte damit nicht sagen, dass nicht-sozialpädagogisch ausgebildete Scrum Master weniger Kompetenzen haben. Jedoch wäre mein Impuls, sich mit spannenden Modellen aus der Kommunikationspsychologie, wie z.B. Schulz von Thun und den vier Seiten einer Botschaft zu beschäftigen. Bei diesem Erklärungsmodell für Kommunikation wird verdeutlicht, mit welchen vier Möglichkeiten eine Botschaft versendet und verstanden wird. Man unterscheidet in diesem Modell zwischen Sachebene, Beziehungshinweis, Appell oder Selbstoffenbarung. Wenn beispielsweise Person A eine Information auf der Sachebene verstanden haben möchte und Person B diese jedoch rein auf dem Appell-Ohr hört, sind zwischenmenschliche Herausforderungen vorprogrammiert. Sehr wertvoll ist aus meiner Sicht auch das Modell der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg. In diesem Modell werden vor allem dem Bedürfnis und den Wunsch einer Person, große Bedeutung beigemessen. Diese Aspekte werden beim Kritisieren häufig außer Acht gelassen. Anstatt von, “Das Geschirr ist nicht abgespült und das nervt mich richtig“, könnte man es auch so versuchen: “Das Geschirr ist nicht abgespült, und das stört mich sehr! Mir ist Sauberkeit wirklich wichtig und ich würde mir wünschen, dass du bitte abspülst”. Dies könnte dem Gespräch eine andere Wendung geben, da das Bedürfnis, das hinter der Kritik steht, nachvollziehbar wird.

Wie könnten Führungskräfte von diesem Know-how profitieren?

Wenn Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Vorstände und Entscheidungsträger offen dafür sind, sich die Expertise von sozial hochkompetenten Persönlichkeiten aus der Sozialen Arbeit einzugestehen, könnten sich daraus für Unternehmen aller Branchen enorme Vorteile erschließen. Wir sind alle soziale und sensible Wesen, die in unterschiedlichen zwischenmenschlichen Konstrukten zusammen agieren, arbeiten und leben.

Einen Berater an der Seite zu haben, welcher die Auswirkungen unternehmerischen Handelns mit einem anderen, einem objektiven und systemischen Blick betrachtet, bringt meiner Erfahrung nach höchste Potenziale mit sich. Sozialarbeiter, die zu Scrum Mastern ausgebildet sind, können auch in anderen Bereichen ihren Mehrwert einbringen: Interne Kommunikation, Motivation von Mitarbeitern, interkulturelle Kompetenz und interkulturelle Kommunikation, Teambuilding, Konfliktmanagement oder mentale Gesundheit wie Burnout Prävention.

In meinem Studium vor mehr als zehn Jahren habe ich einmal den Satz gelesen: “Sozialarbeiter sind das Rückgrat der Gesellschaft“. Das kann man so nicht unbedingt eins zu eins auf Wirtschaft und Unternehmen übertragen. Dennoch: Die Kompetenzen und Skills, die Sozialarbeiter in der Funktion als Scrum Master für ein Unternehmen einbringen, können ein Fundament bilden auf dem der Nährboden für Innovation, Kreativität und Produktivität entsteht. So können einzelne Teammitglieder ihre persönlichen Stärken voll einbringen und somit wird Wachstum ermöglicht.

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