Macht Home Office immer Spaß?

Macht Home Office eigentlich immer Spaß?

Das fragt sich Michael Vorderstraße. Er ist Commercial Director bei Amadeus Fire.

Alex (Gründer und Stimme von OHRBEIT) hat mit ihm ein paar längere Gespräche zu aktuellen Themen der Arbeitswelt geführt und es war erfrischend.

Im Gespräch mit Michael war spürbar, dass er nicht glattgezogen den Corporate-Sprech bedient, sondern ein kritischer Geist ist, der ein paar Grundannahmen der New Work Bubble in Frage stellt und sich so seine Gedanken zum modernen Arbeiten macht.

Also wer spricht?

Es spricht ein weißer, älterer Mann. Ist das jetzt ein Grund nicht zuzuhören?

Wer schreibt hier eigentlich? Ein mittelalter, weißer Mann … gut, dann wäre das auch geklärt

"Darf ich um 16 Uhr gehen?"

Michael spricht auf jeden Fall aus der Arbeitgeber-Perspektive und weniger aus der Perspektive der arbeitnehmenden Generation Z.

Seit zwanzig Jahren ist er im Bereich Personalvermittlung unterwegs und gerade nach der Krisenerfahrung von Corona nimmt er einige Veränderungen im Bewerber*innen-Verhalten wahr.

Oft fehlen ihm in Bewerbungsgesprächen einfach die substantiellen Fragen der Kandidat*innen – er würde sich wünschen, dass die Philosophie eines Unternehmens hinterfragt wird und sich nicht in kleinlicher Forderungshaltung verloren wird. Er findet, dass sich lieber darüber ausgetauscht werden sollte, wie ein Unternehmen mit Krisen umgeht (nach der Corona-Erfahrung) und nicht, ob das Job-Rad nun acht oder zwölf Gänge hat.

Für ihn ist autonomes Arbeiten selbstverständlich, aber wenn jemand im Erstgespräch genau wissen will, ober er an gewissen Tagen um 16:00 Uhr gehen kann, dann findet er das unpassend.

Kurz gesagt: Michael wünscht sich commitment zum Team und zur Firma. Für uns ist das soweit verständlich und in Ordnung, vielleicht muss ja der ein oder andere Kandidat auch sein Kind um 16:00 Uhr holen oder hat wichtige Tinder-Termine wahrzunehmen, dann wäre konkretes Nachfragen wohl wichtig. Vielleicht hat auch jemand schlechte Erfahrungen bei vorherigen Stationen gemacht, wo mit der Arbeitszeit eher kleinlich umgegangen wurde?

Hier würde Transparenz auf beiden Seiten helfen. Der ein oder die andere hat vielleicht schon unter unflexiblen Arbeitgebern gelitten – insofern ist es vielleicht heutzutage normal, dass man sich als Bewerber:in commitment von der Firma für gewisse Balance-Akte im Alltag wünscht? OHRBEIT-Tipp: Offen ansprechen, um was es geht auf beiden Seiten und nicht rumdrucksen! Erwartungen und Wünsche müssen auf beiden Seiten klar kommuniziert werden, wir können es einander ja nicht an der Nasenspitze ansehen.

Hier kann auch man sich auch mal selbtreflexiv die Frage stellen: Ist der Mensch für die Arbeit oder die Arbeit für den Menschen da?

Macht Home Office immer Spaß?

Außerdem fragt sich Michael, ob es für die Menschen wirklich immer Spaß macht, im Home Office zu arbeiten.

Oft scheint der Platz zu fehlen, um gut und ungestört arbeiten zu können. Außerdem würde er sich mehr Mitarbeiter*innen im Büro wünschen, um das Wir-Gefühl zu stärken, soziale Kontakte zu pflegen und erfolgreich als Team zu arbeiten.

Was sich die ein oder andere Firma einfallen lässt, um die Belegschaft wieder ins Büro zu locken, sieht er kritisch.

Auch hier wünscht er sich mehr Selbstverständnis von den Kandidat:innen und Bereitschaft an einem Büro-Alltag teilzunehmen, auch ohne große Events. Wenn die Menschen nur ins Büro kommen, weil es dort Massage, Yoga, Clown oder Foodtruck gibt, dann läuft etwas falsch in Michaels Welt.

Zuletzt sprach er mit Alex über die Inszenierung der Arbeitswelt auf Linkedin. Mittlerweile ist das „So great to be here…“- Posting, wenn eine neue Stelle angetreten wird, obligatorisch.

Der neue Arbeitgeber wird gefeiert und es wird sich tierisch auf das Team, die Aufgabe, einfach auf alles gefreut. Meist wird ein Foto mit Sekt, Blumen, Fresskorb und On-Boarding-Schmankerl dazu geliefert.

Diese Selbstoffenbarung am ersten Arbeitstag ist Standard, aber die Geschichte wird selten von hinten erzählt, so Michael. Wer postet bitte mal seinen Rauswurf in der Probezeit inkusive Foto gepackter Pappkartons?

Wir würden diese Offenheit feiern, aber können wir das erwarten?

Mit dem Clown zum Bier-Yoga

Diese Form der Realness ist auf Socialmedia selten zu finden; die wenigstens Menschen zeigen Bilder von sich in schwierigen Situationen – die Ich AG wird sympathisch, anpackend und vor allem erfolgreich inszeniert.

Kündigungen oder Trennungen gehören selten zu unseren Sternstunden, mit denen wir uns in der Öffentlichkeit profilieren wollen. So läuft es.

Trotzdem ist es schön, mal eine kritische Thema zu dieser Darstellung zu hören, die ja jedem auch als Inszenierung bewusst sein dürfte...

Was bleibt von unserem Gespräch mit Michael? Wir hören gerne auf allen Seiten hin und nehmen uns dabei meistens nicht so wichtig.

Wichtig ist direkte Kommunikation im Vorstellungsgespräch und dann findet man zusammen oder nicht. Einfach Karten auf den Tisch (gerne auch bei LinkedIn) und dann schauen, ob es passt.

Danke für das offene Gespräch, lieber Michael von Amadeus Fire und zum Schluss noch: Ich müsste übrigens montags immer schon um 15:45 los, da hab ich Bier-Yoga…Montag ist ja der Clown nicht da, da geh ich dann direkt vom Home Office …merkt ja eh keiner, solange der Umsatz stimmt 😉.

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