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'Die ständige Verfügbarkeit von Online-Kursen und Apps führt nicht dazu, dass die Musikschüler besser werden'

Stephan Treutter hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seitdem er sechs Jahre alt ist, spielt er Schlagzeug. Mit Alex hat Stephan über seine Anfänge als Musikschüler und den Weg zum Berufsmusiker gesprochen. Ihr erfahrt, was die Vorteile einer Kleinstadt in diesem Geschäft sein können, welche musikalischen Erfahrungen für ihn in seinem Werdegang am Wichtigsten waren, welche Schwierigkeiten er in der zunehmenden Digitalisierung der Musik und von Lehrinhalten sieht, was er Eltern rät, die ihre Kinder zum Musikunterricht bringen und warum ein Musiklehrer für die meisten nicht zu ersetzen ist.

Unser bester Kaffeessatz für dich! Wir wollen unsere OHRBEIT Vision vertonen und geben dir Einblicke in die Themen Diversity, Datenschutz, New Work, Idealismus und vieles andere. Wir lassen Leute zu Wort kommen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, die sich für neue Arbeitsformen in Unternehmen einsetzen, die mit voller Leidenschaft für eine Gleichberechtigung aller kämpfen und die einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft leisten.
00:11
Alex: Hallo, hier ist der Alex von Ohrbeit. Normalerweise hört ihr unter diesen Kanal die Jobcasts von den (Kunden-)Unternehmen direkt. Aber ab heute gibt es ab und zu ein Zuckerl dazu und zwar zu den speziellen Ohrbeit-Themen, die ihr auch auf ohrbeit.de unter "unsere Vision" nachlesen könnt. Unter anderem Themen wie Diversity, Datenschutz und New Work. Heute geht's um das "I" in Ohrbeit und zwar den Bereich Idealismus im weitesten Sinne, bezogen auf die eigene Berufswahl: Neben mir sitzt jemand, der hat sein Hobby zum Beruf gemacht und wir wollen euch ein Beispiel geben, wie jemand seinen Platz für sich gefunden hat und welchen Weg er dafür gehen musste. Das andere Thema wäre das "H" aus Ohrbeit, das Thema "Hören" und ich denke, der eine oder andere ahnt schon, in welche Richtung es nun gehen könnte...aber Stephan, stell dich doch einfach mal selbst kurz vor!
01:01
Stephan: Ja, hallo Alex, ich bin der Stephan. Ich bin Berufsmusiker und Instrumentallehrer, Schlagzeuger - Schlagzeug ist mein Hauptinstrument. und ich habe vor 30 Jahren mit dem Schlagzeugspiel angefangen, also mit 6 Jahren, und habe mein Hobby zum Beruf gemacht.
01:26
Alex: Du bist ja ein sehr gefragter Schlagzeuger im Großraum München, würde ich mal sagen. Du bist in vielen Musikprojekten aktiv. Du hast angefangen mit Schein in deiner Jugend, einer Funkrockband mit ordentlichen Erfolgen in Süddeutschland. Zwischendurch hast du auch ein bisschen in einer Metal-Band gespielt. Dann warst du mit dem Trompeter Leroy Jones aus New Orleans auf Deutschland-Tour und du hast auch Gypsy Jazz gespielt mit [...] und du spielst auch regelmäßig in einer Hochzeits-Band, in der ihr Rock Oldies covert. Aktuell organisierst du eine Big Band, die Frank Sinatra interpretiert: Das ist eine ziemlich deftige Bandbreite. Was ist so spontan für dich etwas, was du herausgreifen würdest?
02:07
Stephan: Ich würde grundsätzlich mal drei Sachen rausnehmen: Und zwar mein Start mit der Band Schein, mit der ich natürlich lange gespielt habe und die mich eigentlich zum Berufsmusiker getrieben hat. Wir haben so viel zusammen gespielt, so viel erlebt und auch so viel Zeit im Übungsraum zusammen verbracht und sind uns auch menschlich nahe gekommen. Wir haben uns angefreundet über die Musik. Sodass es eigentlich für mich dann irgendwann zur Debatte stand, den Weg des Berufsmusiker zu wählen, indem ich einfach zumindest erst einmal studiere. Was nicht heißt, dass man dann automatisch Berufsmusiker ist, wenn man studiert hat. Das war ganz wichtig für die Anfangszeit, da habe ich unheimlich viel gelernt, auch was Disziplin und solche Sachen betrifft. Die zweite Sache, die rauspicken möchte, sind eigentlich die letzten zehn Jahre nach meinem Studium. Da steht jetzt zum Beispiel die Gypsy Band, in der ich mitgespielt habe oder auch die Arbeit mit Leroy Jones sinnbildlich. Das hast du ja schon erwähnt: Das symbolisiert für mich das daily business als Berufsmusiker und das heißt: Flexibilität, Sachen ausprobieren, neue Sachen abchecken, Bewerten, Sachen über Bord werfen...diese ganzen Geschichten - wie in jedem anderen Job auch! Und aktuell als Drittes möchte ich sagen ist die Big Band, gerade mein Hauptprojekt oder mein Herzensprojekt. Da ist noch nichts Zählbares dabei herumgekommen, aber das ist gerade in der Mache, das organisiere ich auch. Das steht jetzt für mich für die Zukunft. Diese drei Sachen würde ich rauspicken, wobei davon die wichtigste Sache natürlich eigentlich die ist, wo meine Wurzeln sind und das ist nach wie vor die Band Schein. Auch wenn die mittlerweile schon so viele andere Sachen gespielt haben, ist das [die Band Schein] letztendlich das Sprungbrett gewesen für mich persönlich.
04:12
Alex: Wir haben ja normalerweise auch in dieser Ohrbeit-Thematik natürlich eher mit Jobs zu tun, die so klassischer sind. Da geht es viel um Jobs aus Dienstleistung oder auch aus dem Marketing, Vertrieb [usw.], das heißt auch viel klassische Bürojobs. In diesen Bereichen ist ein wichtiger Punkt in der Personalauswahl von Firmen und in der Zusammenstellung von Teams, dass die Personen/die Teammitglieder die gleichen Werte haben. Um eine gewisse individuelle Unternehmenskultur zu fördern und auch für eine zu stehen [braucht man ähnliche Werte]. Wie wichtig sind denn dir persönlich - zum Beispiel bei der Auswahl der Musiker in deinen Projekten oder auch bei der Auswahl, welche Projekte du annimmst - die Werte deiner Kollegen? Oder sind die Fähigkeiten der Leute noch viel wichtiger..? Welche Tendenz würdest du da gehen?
05:02
Stephan: Das ist eine sehr schwere Frage, weil man immer individuell die Mischung abwägen muss. Gehen wir davon aus, man leiert ein neues Programm an und ist selber Initiator und das Programm ist [musikalisch] extrem anspruchsvoll. Da muss natürlich erstmal [das Kriterium] erfüllt sein, dass die Leute, [das Programm] spielen können. Der zweite Schritt ist aber dann natürlich die menschliche Komponente, was für mich Werte letztendlich ausmacht. Wenn ich mich mit jemanden nicht verstehe, dann kann ich mit demjenigen nicht so gut zusammenspielen in einer Band oder in einem Projekt. Beim Projekt vielleicht eher, wenn man sagt, man spielt eine Woche ein Musical oder so - da ist es dann nicht so wichtig, dass man perfekt miteinander harmoniert oder dann auch noch ein Bier trinkt. Aber wenn man die Leute öfters sieht, öfters mal vielleicht im Auto zusammensitzt oder vor einem Auftritt - dann wartet man drei Stunden, bis man dann letztendlich doch auf die Bühne geht - da muss man dann schon ein bisschen auf diese menschliche Seite achten. Für mich stellen Werte die menschliche Basis dar. Wenn jemand ganz andere Ansichten hat wie ich, werde ich mit ihm relativ schnell gesprächstechnisch an ein Ende kommen.
06:28
Alex: Wie gehst du damit um, wenn jemand konkret andere Werte wirklich hat? Was ist dann dein Vorgehen - wie machst du das?
06:35
Stephan: Ja, gut. Ich würde mir jetzt als Independent Schlagzeuger sehen [musikalisch gesehen] und das Becken, in dem ich fische, das ist der Großraum München. Ich spiele v.a. im süddeutschen Raum und die Musiker "finden" sich [von selbst]. Es gibt einfach einen Pool an Leuten, die ich kenne und mit denen ich mich gut verstehe. Viele [Musiker] kenne ich vom Studium und ich weiß mit denen passt es menschlich und musikalisch Es ist selbstverständlich, dass gewisse Sachen nicht funktionieren: Wenn jemand total nett ist, aber nicht spielen kann - dann wird es nicht funktionieren, das ist das Erste. Das Zweite ist: Wenn man mit jemand zusammenspielt und merkt: Es passt menschlich nicht, dann funktioniert es auch nicht. Man braucht eine Chemie beim Musizieren zusammen und [diese Chemie] ist ganz wichtig: Man muss sich ja auch darauf verlassen können - wenn man einen Fehler spielt - dass die anderen das auffangen können. Aber man arbeitet natürlich daraufhin, überhaupt keine Fehler zu spielen, das ist ja eh klar.
08:05
Alex: Gut. Lass uns zu deiner Vergangenheit kommen. Kannst du dich erinnern, wann du das erste Mal mit Musik in Berührung gekommen bist?
08:16
Stephan: Ja - mit Musik bin ich schon immer in Berührung kommen. Meine Eltern haben auch Musik gemacht und es wurde immer gesungen. Mit sechs Jahren habe ich Schlagzeug gelernt, davor war ich in der musikalischen Früherziehung, das ging relativ schnell los. Natürlich muss man dazusagen: Das ist das Eine, das aktive Musikmachen. Es reicht, wenn die Eltern dir ab und zu etwas vorsingen, irgendwann singt man irgendwie mit oder man singt im Kindergarten was, und das nächste [das Zweite] ist natürlich das Musikhören! Wenn man ohne Musik zu hören aufwächst, wird es relativ schwer, irgendwann etwas damit anzufangen. Leute, von denen der Vater ein Formel Eins Freak ist, die werden vielleicht auch Formel Eins Fans...
09:13
Alex: Oder sie rebellieren komplett und machen das auf keinen Fall...
09:16
Stephan: Das kann natürlich auch sein. Meine Eltern waren natürlich keine Berufsmusiker und keine Profis, aber die haben immer gern Musik gespielt daheim. Mein Vater hat Gitarre gespielt und meine Mutter Klavier. So ging es los! Und meine Eltern haben uns natürlich gesagt - ich habe auch zwei Schwestern - jeder MUSS ein Instrument lernen! Welches, das darf er sich selber aussuchen und wenn er keinen Bock mehr hat, dann kann er aufhören. Aber allein, ob man das macht oder nicht stand, das stand nicht zur Debatte. Ich habe mir Schlagzeug ausgesucht und bin, Gott sei Dank, dabeigeblieben.
09:49
Alex: Und wenn wir jetzt an die Zeit zurückdenken, so um das Abitur rum - wie war das denn damals für dich? Stand das schon zur Debatte: Ich könnte Berufsmusiker werden? Oder war das noch zu weit weg?
10:01
Stephan: Das war ganz weit weg damals, weil ich das eigentlich nicht machen wollte. Ich habe da natürlich die gewissen Schauermärchen von allen möglichen Leuten gehört: Brotlose Kunst oder auch frustrierte Musikschullehrer - mein Lehrer damals! Da hört man dann auch die Geschichten und Schauermärchen: Da kann man kein Geld verdienen, da muss man irgendwie von der Hand in den Mund leben, da gibt's keine Jobs oder man ist dann frustriert. Als Schlagzeuger sowieso: Da muss man die ganze Zeit soviel tragen und man ist der erste, der kommt, und der letzte, der geht - das stimmt natürlich auch [lacht]. Aber deswegen wollte ich das damals nie machen. Ich wollte immer, dass das ein Hobby ist, wie es damals war. Es darf auch ein intensives Hobby sein, habe ich mir gedacht - aber es darf nicht mein Beruf werden, dann habe ich ja kein Hobby mehr! Das war immer mein Gedanke. Das war für mich unvorstellbar, dass das funktioniert. Deswegen habe ich ja auch etwas anderes erst mal gemacht. Nach dem Zivildienst habe ich angefangen Geografie zu studieren und das interessiert mich nach wie vor. Aber ich habe gemerkt, dass das nix ist. Wir waren dann auch mit Schein damals im Studio und dann saß ich in der Vorlesung und die anderen haben aufgenommen - da bin ich raus und hab mir gedacht: Das kanns jetzt nicht sein! Da war der Entschluss dann fest-gesetzt.
11:18
Alex: Was ist denn genau deine Bezeichnung? Wo hast du deine Ausbildung gemacht?
11:22
Speaker: Ich habe erst an der Jazz School eine sogenannte Intensiv-Ausbildung gemacht. Das war so eine Art Vorstufe vom Konservatorium damals. Ich habe also Jazz studiert, mit Hauptfach Schlagzeug. Das Konservatorium war damals die Institution, an der man das studieren konnte. Das wurde dann, während ich studiert habe, von der Hochschule für Musik und Theater übernommen und wurde fusioniert. Das heißt genau: Ich habe einen Hochschulabschluss an der Hochschule für Musik und Theater in München und bin Diplom Musiker und Diplom Musiklehrer. Das ist natürlich auch so eine Sache, das muss man vielleicht noch ergänzen: Unter dem Deckmantel, das es akademisch ist, wird das Ganze natürlich mehr akzeptiert, als wenn man sagt, man macht das jetzt einfach ohne Ausbildung. Ich glaube - gerade in Deutschland - ist es ist es ganz wichtig, dass man immer irgendeinen Zettel hat, wo irgendjemand draufschreibt, dass man gut ist. Auch wenn einem das überhaupt nichts bringt. Was einem etwas bringt, ist, dass man selber besser wird! Aber für die ältere Generation ist dieser Zettel unheimlich wichtig...und jetzt, wo ich selber älter bin [schmunzelt]...finde ich das auch relativ wichtig. Obwohl natürlich für einen Auftritt auf der Bühne ein abgeschlossenes Studium absolut und vollkommen unerheblich ist.
13:09
Alex: Jetzt sind wir ja schon im Alltag - wie schaut der denn so genau aus, damit sich unsere Hörer sich mal vorstellen können, wie du so arbeitest? Mit ein paar Beispielen vielleicht...
13:19
Stephan: Naja, ich stehe um Zwölf auf [lacht]...Nee! Letztendlich habe ich ein zweites Standbein, ich unterrichte natürlich - ich habe zwei Institutionen, an denen ich unterrichte: Einmal in der städtischen Musikschule, hier bei uns im Ort. Das ist dann eine Festanstellung im öffentlichen Dienst, wenn man so will, dort unterrichte ich eineinhalb Tage. Und ich unterrichte auch noch eineinhalb Tage in München an der Berufsfachschule für Musik. Das ist eine allgemeinbildende Schule, die level-mäßig über einer Musikschule steht und unter einer Hochschule. Das ist das Zwischending: [Diese Berufsfachschule] hat das Konservatorium mehr oder weniger ersetzt [an dem ich gelernt habe] und genau dort bin ich auch so knapp eineinhalb Tage [pro Woche]. Also ich unterrichte dort elf Stunden und in Freising, an der Musikschule, unterrichte ich vierzehn Stunden in der Woche. Ich stehe montagfrüh auf, fahr in die Schule, unterrichte den ganzen Tag und komme abends heim. Ganz normal wie in jedem anderen Job auch. Das Gleich mache ich am Mittwoch und am Donnerstag. Am Dienstag habe ich keinen Unterricht. Da ist dann Zeit für Vorbereitungen [des Unterrichts o.Ä.] oder die Steuer. Was ich meistens dienstags mache: Ich fahre in der Früh in den Übungsraum und bleib dann da den ganzen Tag und übe. Das ist das Ding! Am Wochenende habe ich meistens irgendwelche Auftritte. Das heißt, wenn ich am Freitag spiele, dann kann ich mich am Freitag in der Früh ein bisschen vorbereiten und fahr dann, je nachdem wann und wo [das Konzert] das ist, zu den Konzerten. Man muss sagen: Das Einzige, was wirklich hundertprozentig fix ist, ist mein Unterricht. Alles andere, was natürlich freiberuflich ist, die ganzen Konzerttätigkeiten kommen einfach mit dazu.
15:23
Alex: Und das sind dann schon relativ viele Stunden...kann man das so im Durchschnitt sagen pro Woche? Also mit allem zusammen, auch den Konzerttätigkeiten im Schnitt.
15:33
Stephan: Im Schnitt ist es sehr viel Zeit, die dabei letztendlich gebraucht wird. Man darf natürlich nicht vergessen beim Unterrichten: Man hat natürlich den Vorteil mit den Ferien, aber nachteilig ist, dass die Bezahlung in der Lehrtätigkeit relativ mau ist. Man ist natürlich limitiert, allerdings werde ich nach Tarif bezahlt ist, das ist immer ganz gut. Das heißt, ich kann mich mehr oder weniger darauf verlassen, dass es einigermaßen stabil ist. Aber der sonstige Durchschnitt im Beispiel: Man hat einen Auftritt in 100 Kilometer Entfernung und man spielt um 20 Uhr zwei Sets à 45 Minuten, das heißt bis 10:00 Uhr ist das Konzert (das Konzert dauert eineinhalb Stunden). Aber man fährt natürlich 100 Kilometer hin und muss aufbauen, vielleicht muss man Soundcheck machen, dann muss man warten...im Endeffekt muss man für so einen Auftritt am Freitagabend spätestens um 17:00 Uhr losfahren und frühestens um 1:00 Uhr ist man wieder daheim. Acht Stunden für eineinhalb Stunden Konzert! Das muss man relativ sehen - wenn man da die Bezahlung auf acht Stunden umrechnet [lacht ]...das darf man nicht machen, aber das muss man ein bisschen im Blick behalten.
17:03
Alex: Das klingt auch anstrengend, also on tour sein oder auch die Konzerte! Jetzt nochmal zum Thema Unterricht: Macht dir das genausoviel Spaß wie live zu spielen oder mit Kollegen zu spielen? Oder ist der Unterricht eher ein Mittel zum Zweck, um deine freiberufliche Tätigkeit möglich zu machen?
17:25
Stephan: Zum Teil schon! Ich kenne auch Freunde oder Kollegen, die natürlich keinen Bock auf Unterrichten haben, aber dann kann es einem passieren, dass man etwas spielen muss, was einem nicht liegt, z.B. im Bierzelt oder sowas! Das ist für mich immer der worst case... und deswegen ist es [das Unterrichten] natürlich schon ein Mittel zum Zweck, dass ich nicht jeden [auf gut deutsch] Scheiß spielen muss. Also ich kann mir erlauben, mal eine zeitlang kaum zu spielen. Auf der anderen Seite ist es auch was ganz anderes das Unterrichten: Es macht schon Spaß Leuten etwas beizubringen oder zumindest zu versuchen Leuten etwas beizubringen. Wenn man jetzt einen sehr guten Schüler hat oder eine sehr gute Schülerin: Das ist sehr erfüllend. Die Lehrtätigkeit ist eine wirklich wichtige Sache in jedem Bereich aus meiner Sicht. Ich würde sagen, es ist Kulturförderung im ersten Schritt!
18:34
Alex: Du hast jetzt auch die Tätigkeit als Bühnen-Musiker und Musiklehrer verglichen. Wenn du jetzt die aktuelle Situation für dich siehst und du müsstest dich für eine von beiden [Tätigkeiten] entscheiden mit allen Pro und Kontra - welches Thema würdest du aktuell wählen?
18:51
Stephan: Also, wenn man jetzt alle Sachen ausklammert, die einem sonst dann vielleicht im Magen liegen, zum Beispiel laufende Kredite oder so, dann würde ich schon das live spielen immer bevorzugen. Da muss man jetzt aber auch ganz ehrlich sein: In der Situation, in der ich mich befinde, würde das finanziell nicht reichen. Aber trotzdem will man ja Musiker sein! Keiner fängt ein Studium an, weil er unterrichten will. Das Unterrichten kommt noch dazu und das Unterrichten ist natürlich für viele obligatorisch. Während ich angefangen habe die Ausbildung zu machen und dann zu studieren, habe ich schon parallel unterrichtet. Das hat für mich immer zusammengehört und für mich ist es auch kein Problem, das zu machen. Aber jetzt nur zu unterrichten...man muss sich ja auch vorstellen, dass man auch immer wieder Anfänger kriegt. Man bildet jemanden aus, der ist fertig und geht dann weg! Dann kommt wieder jemand, der nix kann und es neu lernen muss - das kann einen schon frustrieren, wenn man nicht den Ausgleich hat. Ich sehe auch Kollegen an Musikschulen, die dermaßen frustriert sind, wie in jedem anderen Job auch, das muss man ganz ehrlich sagen Die Leute, die machen es halt - sie würden vielleicht sogar gerne aufhören, können es aber nicht! Aber wie gesagt, man braucht immer dieses [live] spielen, das ist schon wichtig. Deswegen ist mir der Dienstag auch heilig, weil ich mich einfach, wenn ich will, zehn Stunden in meinen Übungsraum einsperren kann und einfach spielen oder üben kann. Das ist dann auch eine Art Ausgleich! Ich brauche nicht unbedingt die große Bühne mit Tausenden von Leuten. Das ist zwar cool, aber man muss auch realistisch bleiben.
20:55
Alex: Ok - du hast vorhin schon gesagt, man will ja Musiker sein! Jetzt gerade hast du auch gesagt, du brauchst diese Bühne nicht, also diese vielen Zuschauer. Du hast ja auch mit Schein angefangen. Die Band war auch mal an der Schwelle zu einem Durchbruch. Wärst du denn dann auch gerne ein richtiger Star geworden, weil viele mit Musiker auch gerade "Musiker in einer Band", ja immer dieses Star-tum verbinden?
21:20
Stephan: Also die Band damals hatte schon das Ziel, erfolgreich zu sein und da kommt immer ein Schritt zum anderen dazu: Natürlich ist dann schon das Ziel immer weiterzukommen und auch dann davon erstmal leben zu können oder sich erst mal ein Zubrot vielleicht verdienen, dann davon leben zu können und dann weiterzukommen! Das ist eigentlich das, was in erster Linie im Vordergrund steht. Sodass einfach die nächste CD von mehr Leuten gekauft wird oder dass man größere Konzerte spielt. Das ist schon so, dass man da vielleicht da insgeheim schon ein Star werden will. Wobei da kann ich jetzt von mir sprechen und ich glaube aber auch von allen anderen [in der Band], dass da keiner den Star-Wunsch hatte. So glaube ich, kann ich das von allen in der Band sagen. Aber natürlich der Wunsch, erfolgreich zu sein und dass man erkannt wird und dass die Leute sagen: Ach cool, da spielt wieder die Band - Schein zum Beispiel jetzt - und da gehen wir wieder hin, weil das war super... den Wunsch hat jeder! Ich kann mich an meine erste Gage erinnern: Das war damals mit dem Blasorchester. Da gab's einen Umschlag für jeden, da waren 10 Mark drin für den Verzehr. Dass man sich was zu essen und zu trinken kaufen konnte...
22:35
Alex: Die erste Gage...
22:37
Stephan: Da war ich zehn [Jahre alt]. Das war für mich natürlich total super: Zehn Mark!
22:45
Alex: Das ist ja auch so etwas, was zum Thema Anerkennung gehört, die man dann ja automatisch kriegt, wenn man bekannter ist. Wie ist es denn aktuell für dich? Du bist ja in Musikerkreisen bekannt im süddeutschen Raum, als Schlagzeuger auch im weiteren Raum bekannt. Aber grundsätzlich so für dich: Spürst du Anerkennung in deinem täglichen Tun? Oder WIE spürst du sie?
23:12
Stephan: Ich spüre auf jeden Fall Anerkennung, aber nicht in dem Sinne, dass mir permanent Leute auf die Schulter klopfen. Man muss da einfach zwei Perspektive sehen: Die erste Perspektive ist das direkte Arbeitsumfeld, was natürlich hauptsächlich die Unterrichtstätigkeit mit den Kollegen und auch die Leute, mit dem ich sehr oft zusammenspiele betrifft. Da ist es natürlich klar, dass man da mitkriegt, gerade wenn man eine Idee einbringt, ob die Leute einen akzeptieren; ob die Leute eine gute Meinung von einem haben oder nicht. Bei Musikern stellt sich die Frage normalerweise nicht, weil wenn du merkst, wenn jemand dir keine Anerkennung entgegenbringt, dann würde er dich nicht dreimal anrufen, um dich für einen Auftritt zu gewinnen. Im Unterricht spürt man es natürlich auch. Man hat es ja ein bisschen im Gespür, wie einen die Lehrer oder die Kollegen, aber natürlich vor allem die Schüler akzeptieren. Ansonsten muss man natürlich dazusagen: Jedes Jahr werden an jeder Hochschule zwei bis drei Schlagzeuger fertig - und es gibt ein paar Hochschulen, in Bayern gibt es jetzt drei, wo man Jazz studieren kann und deutschlandweit natürlich umso mehr. Das sind ja alles Leute, die auch spielen können! Ich bin mit der Situation, dass mich die Leute aus meinem direkten Umfeld akzeptieren und schätzen. Das beruht auch auf Gegenseitigkeit. Aber ich bin jetzt keiner, der sein Zeug auf Facebook stellt und dann die ganze Zeit auf der Suche nach Likes ist - das ist mir relativ egal. Das hat vielleicht wirtschaftliche Nachteile - unter Umständen - ich weiß nicht, wie viel das bringt. Aber klar ist: Ich bin da nicht so drauf und deswegen fühle ich mich ganz wohl und bin zufrieden. Aber man darf nicht vergessen: Ich lebe in einer Kleinstadt und da kennen einen die Leute, die auf Konzerte gehen nach 15 Jahren Musik(karriere) und das es da kein Problem gibt. Man muss das aber auch einschätzen können, denn Leute, die alles geil finden, gibt's überall. Gerade in einer Kleinstadt sieht man sie relativ häufig: die sogenannten "Schulterklopfer". Und wenn ab morgen ich nicht mehr spiele und jemand anders spielt, dann klopfen sie halt dem auf die Schulter. Das hat dann auch nur bedingt mit mir zu tun...
26:08
Alex: Du hast gerade gesagt Kleinstadt, Schulterklopfer und solche Sachen...Freising ist jetzt natürlich eine Kleinstadt, die hat aber eine gute Anbindung an München und eine ziemliche Nähe - das hat ja auch seine Vor- und Nachteile. Jetzt im Vergleich zu einer Großstadt: Denkst du, du hast da eher Nachteile?
26:31
Stephan: Würde ich nicht sagen! Weil man in einer Kleinstadt natürlich, wo alles familiärer ist, vielleicht schneller Möglichkeiten findet Leute kennenzulernen, Gleichgesinnte [zu finden] und sich auch schneller einen Namen machen kann, wenn man so will. Man steht natürlich mehr im Fokus automatisch, das ist in jedem Berufsfeld wahrscheinlich das Gleiche. Die Leute werden einen schneller kennenlernen und man kann auch selber die Leute schneller kennenlernen. Aber natürlich muss einem das auch liegen. Also ich bin es nicht anders gewöhnt und finde es gut so, dass ich in dieser kleinen Szene einen Namen habe und dass mich die Leute kennen und dass die Leute auch wissen: Wenn sie Schlagzeugunterricht wollen, können sie zu mir oder zu dem (oder zu dem) gehen. In diesem Fall sind es drei Schlagzeuger hier [in Freising]. Das hast du natürlich in einer Großstadt wie München nicht, weil da ist ja alles viel anonymer und es gibt viel mehr [Schlagzeuger/Musiker]. Das heißt, es kann natürlich passieren, dass du in München viel spielst, aber dich jemand trotzdem nicht kennt, auch wenn sich der interessiert. Das wird dir in einer Kleinstadt nicht passieren.
27:54
Alex: Ich würde mal einen kleinen Sprung machen: Die Zeiten früher, heute und auch mit einem kleinen Ausblick in die Zukunft mal vergleichen! Da würde mich mal interessieren, wie du deine Zeit als damaliger Musikschüler mit deiner Zeit im Jetzt als Musiklehrer in Verbindung bringen kannst. Versetze dich mal in einen heutigen Schüler und einen damaligen Lehrer. Was sind die größten Unterschiede von früher zu heute in deinem Bereich?
28:28
Stephan: Okay, ich habe 1989 angefangen Unterricht zu kriegen, mit sechs Jahren. Die offensichtlichen Unterschiede sind ja klar: Damals gab es kein Internet und keine Handys. Die Angebote waren anders als heute und deswegen war es wichtiger von einem Lehrer Unterricht zu nehmen. Es gab natürlich immer Leute, die autodidaktisch unterwegs waren und die sich alles selber beigebracht haben. Aber man musste sich damals jedes Lied kaufen oder von irgendjemand ausleihen und da komme ich jetzt zum frappierendsten Unterschied: Mittlerweile kann man, wenn man möchte, fast alles immer bekommen. Das heißt: "Kennst du das Lied von XY?" "Nee, kenn ich nicht, warte, ich höre es mir schnell an!" Zack! Dann kannst du dir 15 Versionen anhören von einem Lied - ich rede jetzt hauptsächlich vom Jazzbereich, denn da gibt's ja immer Interpretationen von verschiedensten Künstlern. Die sind alle online und verfügbar! Genauso ist es auch mit Online-Unterricht, der mittlerweile relativ intensiv angeboten wird. Das ist teilweise ganz cool, was die da machen. Viele Schüler haben heute nicht nur den Lehrer als Referenz und das ist ein Problem aus meiner Sicht. Dadurch, dass es so viel Angebot gibt, muss man natürlich auch umso mehr aussieben und aussortieren können. Was ist relevant oder was ist sinnvoll? Was ist jetzt vielleicht unpassend? Das können Schüler nicht so gut, wie ich glaube, dass ich das mit meiner Erfahrung jetzt kann. Wahrscheinlich kann ich das in zehn Jahren auch noch besser als jetzt. Von der Problematik "Reizüberflutung" möchte ich nicht reden, aber die richtige Einordnung von dem Ganzen [Angebot] ...und damals: Für mich war es natürlich leicht, weil ich hatte ein Buch und ich hatte meinen Lehrer und der hat mir gesagt, was ich üben muss oder was ich üben sollte und das habe ich erst mal gemacht. Dann konnte ich einigermaßen spielen und war dann irgendwann selber in der Situation, dann mit zwölf Jahren oder so, da hab ich dann schon ganz anders Musik gehört und kapiert, was zum Beispiel der Dave Grohl da spielt. Und das ist ein Problem, finde ich: Viele Schüler schauen sich Sachen an und wollen sie spielen, die vollkommen über ihren Möglichkeiten sind. Die ganze Verfügbarkeit von Allem führt nicht zwingend dazu, dass die Schüler besser werden. Das ist ein Phänomen, das jetzt zur Zeit da ist und das wird auch so weitergehen. Aber das ist nicht zwingend positiv und man muss vielleicht die Schüler mehr noch dazu bringen, dass sie in allen Bereichen besser aussieben können. Das ist der Hauptunterschied!
31:47
Alex: Das ist ein wichtiger Punkt - das wäre jetzt ein klassisches Wirtschaftsthema: Digitalisierung! Es gibt ja inzwischen Apps, da kann man als kompletter Anfänger Klavier lernen und die Apps werben damit, dass man dann nach einer gewissen Zeit spielen kann - nach einer gewissen Zeit ein bestimmtes Level hat und wie so vieles ja digital sehr gut gemacht werden kann, wäre es ja auch eine Möglichkeit zu sagen: Ich habe hier eine App, mit der ich Schlagzeug lernen kann. Ich brauche keinen Lehrer mehr dafür, sondern es leitet mich digital eine App...
32:17
Stephan: Ich glaube, dass die Möglichkeit mit Apps oder mit Programmen oder auch mit Online Content, [Online] Unterricht und -Videos ein Instrument zu lernen genau für die Leute interessant ist, die es sich früher auch selber beigebracht haben. Natürlich mit den Möglichkeiten, die es damals gab. Ich kann mir höchstens vorstellen, dadurch dass mehr Leute Zugriff darauf haben, dass es mehr Leute probieren und dann mehr Leute vielleicht realisieren, dass sie die Fähigkeit haben, das sich selber beizubringen. Ich hätte mir das nie selber beibringen können! Ich habe das immer gebraucht, ich hatte ja auch lang Unterricht. Aber wie gesagt: Die Leute, die es sich damals schon selber beibringen konnten, können sich es jetzt auch selbst beibringen. Das ein Programm dir garantiert, dass du das lernst, ist absoluter Schwachsinn, aus meiner Sicht. Das Programm ist genauso wie jemand, der dir das sagt oder wie ein Buch: Es ist Mittel zum Zweck. Das du das kannst, hängt natürlich in erster Linie mit dir selber zusammen - dass du das übst! Und es geht letztendlich darum, wenn du zum Beispiel am Klavier das Stück "Für Elise" spielen können möchtest, dann musst du das üben. Am Schluss kannst du es oder du kannst es nicht!
33:41
Alex: Jetzt 20 Jahre voraus, da bist du dann noch höchstwahrscheinlich im Berufsleben. Wie wird sich dein Beruf "Lehrtätigkeit" verändern? Worauf muss sich ein Musiklehrer in 20 Jahren einstellen? Gerade die, die jetzt schon im Business sind? Was verändert sich für die, gerade auch im digitalen Bereich, um ihre Schüler weiter zu begeistern und lehren zu können?
34:08
Stephan: Generell kann man sagen, so kommt es mir vor, dass die jugendlichen Kinder ein immer krasseres Pensum absolvieren müssen, sei es in der Schule, sei es - und das meine ich vor allem - bei den Freizeitaktivitäten! Ich habe nicht nur einen Schüler, der neben Fußball noch einen anderen Sport macht. Das heißt, er trainiert viermal die Woche und spielt zweimal die Woche und dann noch Schlagzeug dazu...und noch üben...wie soll das funktionieren? Manche schaffen es, manche schaffen es nicht. Das wäre jetzt mein Ansatz, dass den Schülern oder eher den Eltern vermittelt, dass sie nicht alles machen können und alles machen sollen.
34:54
Alex: Switchen wir mal zum Berufsmusiker, der soll ja auch eine Zukunft haben. Wie siehst du das denn? Was empfindet du als problematisch, wenn du in die Zukunft blickt? Jetzt für die Kategorie Berufsmusiker auch mal 20 Jahre voraus..?
35:17
Stephan: Das kann ich jetzt von mir persönlich sagen, aber ich weiß das von ganz vielen anderen [Musikern] auch: Problematisch ist, dass die Bezahlung frappierend nach unten gegangen ist, weil jeder gerne spielt. Keiner fängt an, wenn er die ersten Konzerte spielt, dass er richtig gute Gagen bekommt. Das heißt, man ist von vornherein gewöhnt, wenig zu kriegen und sich zu steigern. Das ist so die Sache, da es auch ein Hobby ist: Viele Musiker spielen einfach, auch wenn es wenig Geld gibt, also mich eingeschlossen! Das hat sich in den letzten Jahren, das weiß ich von älteren Kollegen (ich spiele auch viel mit älteren Leuten zusammen) geändert. Jazzclubs zum Beispiel: Das ist natürlich auch noch einmal ein [spezielles] Genre. Es gibt in Deutschland drei Jazzclubs, zum Beispiel, die eine Festgage zahlen - der Rest ist auf Eintrittsbasis und da gibt noch einen 70:30-Deal. Wenn man im Trio spielt, dann kann es mal vorkommen, dass da bisschen was rauskommt, aber es kann ja natürlich jeder selber ausrechnen: Ein Club, der hundert Leute fasst, mit einem 70:30 -Deal, bei 17 Euro Eintritt und es kommen 100 Leute, da kann sich jeder ausrechnen, was dann dabei herumkommt. Je nachdem ob man zu dritt oder zu wenn man zu fünft spielt ist halt dann weniger übrig! Ja, ganz klar! Das ist so die Sache, die sich wirklich geändert hat und was ich auch schon miterlebt habe, dass man sich das schönredet. Ich sage immer, da gibt's das magische Dreieck: An der einen Ecke ist die gute Bezahlung, an der zweiten Ecke die Mitmusiker und am dritten Eck ist das "was man spielt", also der Anspruch. Wenn zwei Sachen davon zutreffen, dann ist es cool! Es ist halt meistens leider so, dass die menschliche Komponente und das Inhaltliche passt. Die Veranstalter sind auch immer weniger risikofreudig , wollen vielleicht wenig Werbung machen ... was ändert sich? Mittlerweile sind wir an dem Punkt, dass die Leute wieder bereit sind, mehr Geld für Live-Konzerte zu zahlen. Das ist eine Beobachtung, die ich feststelle. Das heißt früher, als wir mit Schein gespielt haben, haben wir uns überlegt, ob man überhaupt 10 Euro verlangen sollen. Jetzt ist es kein Problem mehr, 17 Euro zu verlangen und das zahlen die Leute. Genauso Plakatwerbung: Als die Social Networks aufkamen, da war Plakatwerbung total ungefragt. Mittlerweile werden Plakate wieder bemerkt und machen vielleicht wieder mehr Sinn - das ist meine Einschätzung. Ich glaube, das ist einfach eine Entwicklung und es ist schon ein Problem, dass alles immer frei verfügbar ist. Das ist ein Problem, sowohl dass bei Netflix einfach die nächste Folge kommt, als auch ein neues Album von jemand kommt heraus und jeder hat eh sein Spotify-Abo. Es ist ein Problem: Man muss natürlich schon schauen, wo man Geld verdient, jetzt bin ich keiner, der über CDs jemals Geld verdient hat. Aber wie gesagt, beim live spielen - ich habe es ja vorher auch gesagt - wieviel Zeit man doch letztendlich investiert...ich rede nicht von Equipment, Übungs- oder Studiumszeit. Wenn der Elektrikermeister kommt, zahlt man gleich mal ein bisschen mehr, nur weil der Meister kommt...das ist natürlich so eine Sache: Das ist eine - pessimistisch formuliert - extrem geringe Wertschätzung für die Künstler, die auf der Bühne sind. Optimistisch formuliert: Es macht einfach Spaß und das ist, wie wenn man joggen geht, wenn einem das Spaß macht. Ich glaube, dass es in Zukunft noch weiter so gehen wird. Bestimmte Sachen gehen nicht mehr weiter unten, aber das ist auch ein Grund mal auf Hochzeiten ab und zu spiele, wenn mich jemand fragt. Hochzeiten oder irgendwelche Veranstaltungen von Firmen, denn da ist einfach noch die Möglichkeit da, dass man mal eine höhere Gage abgreift. Man muss natürlich trotzdem dazusagen: Wenn man jetzt unbedingt Mercedes fahren will, ist es vielleicht auch der falsche Beruf [lacht]. Außer man bildet es sich ein und spart es sich vom Mund ab natürlich - irgendwie geht es dann schon und es ist alles okay! Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass nur, wenn man richtig geil spielt und super krass ist, dass die Leute mehr Geld zahlen. Das stimmt nicht. Das stimmt einfach nicht!
40:39
Alex: Gut - ja Stephan, dann danke ich dir! Du warst heute der Premieren Gast in unserem Ohrbeit-Bonus Kosmos und jetzt nochmal an alle Hörer da draußen: Wenn dir das gefallen hat, dann abonnier doch einfach unseren Kanal. Ihr könnt uns auch bei Apple Podcast bewerten - inzwischen heißt es, glaube ich, eine Rezensionen schreiben und eine gute Rezension könnt ihr auch auf Google schreiben. Das würde uns alles sehr helfen, denn wir sind noch ganz am Anfang unserer Ohrbeit-Idee. Neben den regulären Jobcasts, da stehen viele interessante Unternehmen in den Startlöchern in den nächsten Wochen brauchen wir natürlich deine Unterstützung, um diese ganze Idee bekannter zu machen! Diese Bonuscontent Podcasts mit solch interessanten Kollegen wie dem Stephan, die wird es auch weitergeben. Da würden wir uns freuen. Danke dir fürs Zuhören und nochmal danke Stephan für deine Teilnahme!
41:28
Stephan: Ich bedanke mich.
41:30
Alex: Super, danke - tschüss!
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