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'Das Ende bei Harald Schmidt war so, als würde man bei Mama und Papa ausziehen'

Als Redaktionsleiter und Sidekick in der Harald Schmidt Show hat Manuel Andrack tiefe Einblicke in die Medienlandschaft bekommen und sagt:
👉 „Macht lieber nichts mit Medien!“

Schon seit vielen Jahren hat er deshalb sein Hobby Wandern zum Beruf gemacht und ist außerdem Autor diverser Bücher, z.B. über das Wandern mit Kindern, seine Leidenschaft Fußball, speziell den 1. FC Köln und bald „sein Jahr als Narr“.
Außerdem moderiert er und hält Vorträge: Über seine genossenschaftliche Deutschlandreise, natürlich das Wandern, Wein und Fußball.

In diesem Podcast geht es u.a. um folgende Themen:

✅  Die Gemeinsamkeiten von Saarland und Rheinland.
✅  Wie Corona seine Leidenschaft für den Fußball verringert.
✅  Thesen für eine gerechtere Bundesliga.
✅  Was ihm sein Studium in Theater, Film- und Fernsehwissenschaft tatsächlich im beruflichen Leben gebracht hat
✅  Sein Weg zu SAT.1 und der Sprung zum Harald Schmidts Redaktionsleiter und Sidekick.
✅  Wie die damaligen Sendungen der Harald Schmidt Show (nicht) geplant wurden.
✅  Medien und Alkohol
✅  Warum das Wandern für Kreative eine perfekte Beschäftigung ist.
✅  Seinen Rat: Macht nichts mit Medien!
✅  Über das Glück oft mit Zufall am richtigen Ort gewesen zu sein.
✅  Warum Stellenanzeigen nicht die wirkliche Rolle abbilden
✅  Über seine Leidenschaft Punkrock und seine Probleme mit Spotify

Auf seiner Webseite kannst du mehr über sein aktuelles Wirken und seinen Werdegang erfahren. Wir haben dir außerdem die von ihm im Podcast genannten YouTube Playlisten seiner geliebten Punkrock-Songs verlinkt.

Wir legen dir weitere OHRBEIT Podcasts ans Herz, z. B.: mit Manuel Andracks Ex-SAT.1 Kollegin Daniela Noack, die auch schwachsinnige Quizshows gerne moderiert hat oder dem Fantasy-Autor Peter Hohmann, der über die problematische Preisgestaltung von Verlagen spricht.

Unser bester Kaffeessatz für dich! Wir wollen unsere OHRBEIT Vision vertonen und geben dir Einblicke in die Themen Diversity, Datenschutz, New Work, Idealismus und vieles andere. Wir lassen Leute zu Wort kommen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, die sich für neue Arbeitsformen in Unternehmen einsetzen, die mit voller Leidenschaft für eine Gleichberechtigung aller kämpfen und die einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft leisten.
00:00
Manuel: Es war in den ersten Monaten so, dass dann auch Harald mit den Gästen, als es in den Jahren 95/96 losging, mit den Gästen, z.B. dem Supermodel Nadja Auermann dann noch bis nachts um drei in der Bar bei uns im Capitol noch etwas getrunken hat. Aber das hältst du nicht durch.
00:31
Alex: Ich hab dich mal persönlich aus der Nähe gesehen, weil wir Ende März 2005 in derselben Kurve gestanden sind.
00:38
Manuel: Ach Quatsch.
00:39
Alex: Ja, und zwar bei einem Auswärtsspiel vom FC [Köln]. Ich hab nämlich einen Freund hier aus Freising, der ist auch glühender FC-Fan, und da waren wir bei einem ja relativ bedeutenden Spiel für ein bekanntes deutsches Fußballstadion. Kommst du darauf, welches Spiel es war?
00:56
Manuel: Wann war das genau? 2005 ist klar...
00:58
Alex: Ende März.
01:00
Manuel: Ende März, dann war es nicht Unterhaching. Da war es so kalt. Das müsste irgendwie Januar Februar gewesen sein.
01:10
Alex: Es war Ende März und es war richtig gutes Wetter, das hat man sich gemerkt, weil das Spiel so extrem langweilig war.
01:18
Manuel: Karlsruhe.
01:19
Alex: Nein größer.
01:20
Manuel: Größer? Gut, das war ja definitiv zweite Liga, das war ja auch im Rahmen meines Buchs. Und du kommst aus Freising, also Bayern, was haben wir noch mal in Bayern. Burghausen war durch. Das Spiel war langweilig, größer als Karlsruhe? Ach ja, natürlich klar. Auswärtsspiel bei 1860 [München] im Münchner Olympiastadion.
01:45
Alex: Genau das war damals das letzte Spiel im Olympiastadion. Und war wie immer, wenn man in der Köln-Kurve ist, sehr spaßig. Das Spiel war tatsächlich unfassbar langweilig.
01:56
Manuel: Das ist richtig, das ist 0:0 ausgegangen.
01:57
Alex: Genau. 0:0 ohne Torchancen, glaub ich auch. Ja, genau deswegen war ich da öfter mal, auch in Köln, aber auch in Auswärtskurven. z.B. auch mal in Unterhaching. Genau. Wenn sich das ergeben hat. Immer eine Reise wert, in diesem Block zu gehen. Und jetzt würde mich interessieren, da du früher in Köln warst, bist Ur-Kölner und lebst jetzt im Saarland. Hat sich denn da dein Bezug zum FC verändert?
02:26
Manuel: Nein, überhaupt nicht - null! Das ist ja mittlerweile auch schon unfassbare zwölf Jahre her, dass ich ins Saarland gezogen bin. Da hat mich mal ein Journalist der regionalen Saarbrücker Zeitung bei einem Interview gefragt: "Jetzt, da ich ja im Saarland wohne, ob ich jetzt auch Fan des 1. FC Saarbrücken werden würde?" Und dann habe ich gesagt: Das ist natürlich völliger Unsinn. Ich bin zwar umgezogen, aber ich habe ja jetzt auch keine neue Mutter! Der Fußballverein ändert sich natürlich nie. Das war natürlich sehr, sehr tragisch, dann in der gerade abgelaufenen Saison 19/20, das es da dann dieses fatale Pokalspiel gab. 1. FC Saarbrücken gegen den 1. FC Köln - das wir nicht gewonnen haben. Und auch da habe ich dann so Kommentare gehört: "Aber da warst du doch jetzt für Saarbrücken?" Es ist nicht euer Ernst. Ich habe viele Tage gelitten wie ein Hund danach! Das legt man auf keinen Fall ab und das muss man ja Menschen dann auch im Rest der Republik erklären: Das Saarland ist ja so eine Art südliches Rheinland - das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern das haben sich die Preußen ausgedacht. Die preußische Rheinprovinz ging vom Niederrhein an der holländischen Grenze über Köln, über die Eifel, über den Hunsrück bis an die Saar nach Saarbrücken. Das merkt man heute noch an der Mentalität, finde ich. Der Saarländer ist doch eher dem Rheinländer ähnlich, dem Kölschen, als zum Beispiel seinem Nachbarn, dem Pfälzer.
04:10
Alex: Dann hast du es dir ja gut ausgewählt ...
04:12
Manuel: Ja, absolut! Auch am Samstag helfe ich meiner Tochter mal beim Sofatausch - altes Sofa weg und Neues von Ikea kaufen - da fahr ich halt mal eben nach Köln und helfe ihr und bin nachmittags aber wieder hier bei ner Poolparty im Saarland. Das Saarland ist mittlerweile für mich südliches Köln!
04:34
Gott: Alex, mein Sohn: Frage ihn endlich was über Fußball!
04:37
Alex: Gerade auch wenn man schon lange Fußballfan ist - ich kenne aus meiner Familie: Da waren viele Fußballfans und das hat sich mit der Zeit dann tatsächlich sehr stark gelegt. Diese Fan- Liebe oder dieses Interesse für den Sport. Ist es denn bei dir ähnlich oder ist es immer noch so glühend wie mit 20, 25?
04:54
Manuel: Nee mit 25, war das gar nicht so glühend wie mit Mitte 30, Mitte 40... Also gerade, als ich das Buch geschrieben habe. Meine Saison mit dem FC 2004/2005, als ich fast alle Spiele gesehen habe in dieser Saison vom 1. FC Köln..., also auch wirklichen in Stadien wie Cottbus, Jena und so weiter war...und auch in Saarbrücken. Da habe ich dann doch richtig Feuer gefangen - auch für Auswärtsfahrten - und bin dann auch in den Jahren danach sehr, sehr regelmäßig gefahren. Das mache ich jetzt nicht mehr so intensiv. Corona hat auch viel, viel von dem Enthusiasmus gekillt. Man muss schon sagen, dass natürlich der Besuch von so einem Spiel, von so einer Auswärtskurve doch sehr, sehr viel eben nicht mit Fußball zu tun hat! Man trifft sich mit den Kumpels davor, dann wird irgendwie Blödsinn gequatscht, dann werden ja wieder die unglaublichsten Theorien zum Fußball und zum Leben aufgestellt. Und natürlich trifft man sich wegen des Fußballspiels, aber eigentlich trifft man sich, weil es schön ist, sich zu treffen! Wenn das jetzt alles wegfällt wegen Corona oder man nicht weiß wie lange das noch geht...da fehlt echt was! Ich habe noch nie ein Sky- oder Premiere-Abo gehabt und das hat für mich jetzt nicht so ein Wert, dann so ein Fußballspiel einfach nur im Fernsehen zu gucken.
06:28
Alex: Ein Gedanken von mir zum Thema Fußball, der mir ganz wichtig ist: Ich war in meiner ganz frühen Kindheit Dortmund Fan, weil mir damals die Ringelsocken so gefallen haben und dann ab meiner Jugend war ich Club Fan. Man kann den Klub und den FC durchaus hier und da vergleichen, z.B. bei der Leidensfähigkeit..
06:47
Manuel: Absolut... Fahrstuhl-Mannschaften!
06:50
Alex: Ja, absolut - die beiden Berühmtesten und auch wirklich gute Fans, obwohl ich sagen muss, dass wahrscheinlich da die Kölner nochmal einen drauflegen können. Um was es mir geht: Der Grund, warum ich dann auch nicht mehr Fußball liebe habe, wie ich sie früher hatte... als Club-Fan hat man das ja miterlebt: Du hast Talente, die hochkommen...man hat ein relativ gutes Team und dann weiß man ganz genau Im nächsten Jahr sind sie sowieso weg! Damals gingen die dann zu Stuttgart, zu Schalke oder natürlich auch zu Bayern, Beispiel Gündogan oder so. Das heißt, ich weiß genau, als Club-Fan: Egal wie gut dieses Team jetzt ist - im nächsten Jahr sind mindestens zwei, drei Spieler weg und man muss wieder von null anfangen, muss wieder gegen den Abstieg kämpfen. Das heißt, es gibt keine Chance als Verein in dieser Sphäre wie zum Beispiel Nürnberg, Köln, Bremen oder Stuttgart. Die haben keine Chance oben reinzukommen, weil es keine Regularien gibt. Man kann sich dem ganzen Kapital nicht erwehren. Am Ende landen die Spieler sowieso bei zwei, drei Vereinen, und die bleiben oben.
07:56
Manuel: Ja, das ist richtig...Jein! Andererseits gibt's ja auch das Phänomen Freiburg, die sich ganz offensiv schon lange mit diesem Titel "Ausbildungsverein" geschmückt haben und denen das auch klar ist, dass ihnen die guten Spieler irgendwann weggekauft werden. Die sind aber trotzdem wesentlich seltener abgerutscht als Nürnberg oder Köln! Bei Köln stellte ich ja dann auch noch fest, dass es oft schon fast umgekehrt ist! Gute Spieler kommen und werden dann beim FC komischerweise immer schlechter. Das Problem haben wir ja eigentlich gar nicht so oft, dass wir da jetzt so die Knaller-Spieler haben, die uns weggekauft werden...also nö! Das Gejammer von der Kapitalisierung kann ich nicht mehr hören! die erste Liga weltweit in den 1860er Jahren wurde in England gegründet. Da hatte jeder Verein einen Brauer bzw. einen Kneipen-Sponsor. Fußball war vom ersten Fußtritt und Foulelelfmeter und Torschuss immer eine total kommerzielle Veranstaltung. Sogenannten Amateuren wurde unter der Hand Geld bezahlt... wenn das so viele Leute interessiert, bleibt das auch überhaupt nicht aus! Ich hätte aber auch die Lösung und weiß auch nicht, warum das nicht mal diskutiert wird: Wie man Traditionsvereinen wie Nürnberg und Köln oder auch so Looser-Vereinen wie Stuttgart und HSV ein bisschen helfen könnte, weil ich finde diese Verteilung der Fernsehgelder sowas von ungerecht! Wo steht denn geschrieben, dass die Fernsehgelder nach dem Tabellenplatz oder nach der Ligen-Zugehörigkeit verteilt werden? Ich komme ja aus der Welt des Fernsehens und das wäre so, als wenn man einen Moderator so viel Geld bezahlt, in was für einem großen Haus der wohnt, oder so...? Nein! Der Moderator kriegt soviel Geld entsprechend wieviel Zuschauer er zieht, wie sehr er Aufmerksamkeit erregt, wie hoch die Einschaltquote ist. Und warum, um Himmels willen, wird nicht im Fußball das Geld verteilt nach den Einschaltquoten? Der Nachteil ist mir völlig klar: Dann ist Bayern noch reicher als jetzt schon - aber Vereine wie Sankt Pauli Nürnberg, HSV, 1. FC Köln, die würden, auch wenn sie jetzt zur Zeit der zweiten Liga spielen, wesentlich mehr Geld bekommen als Hoffenheim, Wolfsburg und so weiter.
10:40
Alex: Ist ein Punkt! Was ich wichtig finde, da komme ich auch wieder auf USA-Lösung zurück, die finde ich ganz gut: Da gibt ja so ein Salary Cap in den US-Sports Ligen. Und da ist es ja so, dass natürlich sehr reiche Leute die Vereine besitzen. Das heißt, der Fußball, der ist schon so kapitalistisch. Man könnte genauso gut den Markt öffnen für z.B. die europäischen Vereine und sagen: Jeder Verein, es gibt genügend Leute, die so viel Geld haben, die gern so ein Verein hätten, dann öffnet man komplett für...
11:03
Manuel: Wenn ich unterbrechen darf: Da war zuletzt in der F.A.Z. ein brillanter Artikel, warum diese Idee auf Deutschland nicht übertragbar ist und das absoluter Schwachsinn ist. Der ganz entscheidende Unterschied ist nämlich. In den USA die ganzen Ligen, die das betrifft, das sind nationale Veranstaltungen ohne Vergleichs-Szenarien.
11:30
Alex: Genau! Eine geschlossene Liga, das ist ja das Ding...
11:33
Manuel: Aber das ist doch nicht mal eine geschlossene Liga - oft kommt das Argument: Ja, da gibt's kein Auf und Abstieg - das wollen wir in der Tat nicht! Das finde ich einen ganz entscheidenden Vorteil. Aber es gibt ja auch keine Champions League oder Euro League und es gibt noch nicht einmal eine Art Pokalwettbewerb, also das irgendwelche studentischen Basketball-Mannschaften eine Top-Mannschaft herausfordern würden. Das funktioniert eben! Dann müssten ja sämtliche europäischen Ligen, bis zu den Färöer-Inseln, müssten ja dieses Salary Cap-Prinzip als europäische Veranstaltung übernehmen und das funktioniert nicht.
12:15
Alex: Das funktioniert nicht und das war ja auch nur meine Einleitung, mir ging es darum...
12:17
Manuel: Das funktioniert überhaupt gar nicht!
12:20
Alex: Das funktioniert grundsätzlich nicht, aber das war meine Einleitung...denn zusätzlich gibt es so kleine Regularien, dass die Leute mehr Geld bekommen, wenn sie den Vertrag bei dem Verein verlängern, wo sie schon sind. Wenn dann jemand den Spieler abkaufen möchte, dann kriegt er gar nicht die Möglichkeit. Da kriegt er zum Beispiel einen Vier-Jahre-Vertrag für, sagen wir, 30 Millionen, aber bei dem bestehenden Verein würde er einen Fünf-Jahres-Vertrag für 50 Millionen kriegen. Das ist eine Regel, die eingeführt wird, um diese Spieler zu halten. Dann haben sie diesen Fünfjahresvertrag, und da geht's nicht raus. Das heißt, ich weiß dann ganz genau als Fan: Okay, wir haben da jetzt drei Leuten verlängert, die drei bleiben für fünf Jahre. und jetzt können wir was aufbauen - darauf wollte ich hinaus!
13:04
Manuel: Ja, ja, das ist prima, das wusste ich gar nicht! Das hört sich gut an...aber ich glaube, da setzt ja auch Seifert von der DFL an, indem er zum Beispiel einmal ganz groß in Frage gestellt hat, warum Berater überhaupt nur einen Euro kriegen. Die sind ja auch dafür verantwortlich, dass Spieler möglichst oft wechseln, weil dann kriegen sie halt jedes Mal ihr Beraterhonorar!
13:30
Alex: Das ist ein Thema, das steht wieder auf einem ganz anderen Blatt - also mit Beraterhonoraren und so weiter, sicherlich schwierig. Gut, es soll aber nicht nur um Fußball gehen, sondern auch natürlich um deinen Werdegang. Du bist ja quasi studierter, um da mal eine ganz harte Überleitungen zu machen, Fernsehwissenschaftler oder Germanist? Das ist korrekt, oder?
13:53
Manuel: Ja. Heutzutage, mit dem Bachelor hat sich das alles geändert. Aber ich habe damals noch einen Studiengang absolviert, der Magister Artium, d.h. ich habe keinen Doktor, sondern einen MA, einen Magister. In Österreich wär das schon ein toller Titel: "Ja, der Herr Magister" [Dialekt]. Ja, das Studium habe ich sogar, im Unterschied zu vielen anderen mit denen ich studiert habe, Frank Plasberg oder so, tatsächlich zu Ende geführt. Bei so einem Magister Studiengang musste man immer drei Fächer wählen, ein Hauptfach, zwei Nebenfächer, und das war bei mir Hauptfach: Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft - das war quasi ein Fach mit drei Spezialisierungsgebieten: Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft und Nebenfächer, Germanistik und Kunstgeschichte.
14:41
Alex: Hast du denn dann schon ein richtiges, bestimmtes berufliches Ziel gehabt, zum Anfang des Studiums?
14:45
Manuel: Nein. Null! Ich meine, am Anfang war es eh eine Verlegenheitslösung, weil eigentlich war ich der Held des Schultheater auf dem Gymnasium, und mir war ganz klar: "du wirst Schauspieler, das ist deine Berufung." Und dann habe ich mich mit der Materie beschäftigt, hatte auch schon alle Vorstellungenunterlagen. Ich war aber nie bei einem Vorsprechen, weil ich dann doch vorher mit einer Kölner Schauspielerin gesprochen habe, die aber an so einem Off-Theater engagiert war, und die hat so ein bisschen erzählt über ihre Erfahrungen. Und danach war mir klar - Nee, jetzt mit Regisseuren zu tun haben, die sagen: "Du bist zwar der Hamlet, aber lass mal deinen Schniepel raushängen oder so." Da habe ich keinen Bock drauf, ich möchte Regisseur sein, der Schauspielern sagt: "Du bist jetzt der Hamlet, aber lass mal den Schniepel raushängen." Mir war klar Ich will Regisseur werden, aber das ist auch bis heute so. Regiestudiengänge, sowohl Theater als auch Film, werden zurecht erst ab 24 angeboten, weil man zu Recht davon ausgeht, dass Menschen eine gewisse Lebenserfahrung haben sollten, bevor sie anderen Menschen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Dann habe ich mir gedacht: "Naja, bevor ich dann das Regiestudium mache, kann ich auch mal schnell Theater/Film/Fernsehwissenschaften studieren." Hat auch irgendwas mit Theater zu tun und während des Studiums schon ganz, ganz schnell, nach 1 - 2 Jahren habe ich gemerkt, mein Interesse geht doch ganz, ganz, viel, viel stärker Richtung Film und Fernsehen, als Richtung Theater. Das ist es dann auch schliesslich geworden. War mir aber nach Ende des Studiums auch überhaupt nicht klar, wie ich da reinrutsche, auch da hat in meiner Fernsehkarriere in Anführungszeichen "Kollege Zufall" sehr, sehr oft eine Rolle gespielt.
16:43
Alex: Wie läuft es dann normalerweise? Bewirbt man sich da einfach bei verschiedenen Fernseh-Produktionsfirmen oder geht das über Empfehlungen, oder wie läuft es dann?
16:50
Manuel: Ja, gut, das war damals. Also erstens Mal hatte ich ja das Glück, in die Goldgräber-Zeit des Privatfernsehens zu rutschen. Gerade in Köln. Das war eben so Anfang der 90er Jahre 1992, 1991, ne, 90 war ich sogar im Studium schon fertig. Und da ging's gerade los, dass RTL die ersten eigenproduzierten Shows gemacht hat. Vorher war das ja so ein Billo-Sender, der aus Luxemburg aus der Garage gesendet hat, sozusagen. Tutti Frutti war, glaub ich, die erste eigenproduzierte Sendung. Also das ist diese Sendung mit den komplizierten Spielregeln und den vielen Titten. Dann ging es los, dass die eine nach der anderen Gameshow gemacht haben, also "Der Preis ist heiß" und das war der Bruder von der besten Freundin meiner damaligen Frau. Der hat in der Fernsehproduktion gearbeitet, die aber etwas ganz anderes gemacht haben: Motorsport. Er sagte: "Ja, ihr habt jetzt geheiratet, ihr bekommt doch bald ein Kind. Was machst du dann so?" Ich: "Keine Ahnung. Wird schon was kommen." Dann hat er gesagt: "Okay, ich stell dir mal den Sebi vor" . Sebi war Chef von einer kleinen Firma. Das gab's damals auch noch, Firmen, die zugearbeitet haben, heute gibt's ja nur noch die Riesenfirmen [..] & Co., die so etwas alles wuppen, aber damals? Also wir haben uns nur um die Redaktion einer Gameshow gekümmert - Familienduell mit Werner Schulze-Erdel: "wir haben hundert Leute gefragt: 'nennen Sie uns eine Brotsorten und sowas'". Da habe ich mir dann einfach jahrelang Fragen ausgedacht, für so eine Gameshow.
18:33
Alex: Habe ich tatsächlich öfter gesehen. War immer morgens oder so, immer wenn ich krank war oder die Schule blau gemacht habe, da hab ich öfter mal Familienduell gesehen. War ja damals die Zeit.
18:42
:
Manuel: 11 Uhr 30. Großartig. Quoten ohne Ende, über 50 % Marktanteil.
18:45
Alex: Was soll man um die Zeit auch sonst anschauen? Was war da noch irgendwie? Serien gab es damals auch schon auf der ARD, das war aber nichts zum Gucken oder sowas. Aber ist es dann so, dass man dann schon aus dem Studium viel mitnehmen kann oder lernt man tatsächlich komplett neu "on the job" alles frisch?
19:00
Manuel: Ich würde sagen, ich habe alles neu "on the job" gelernt. Vom Studium habe ich eher dann später in der Harald Schmidt-Zeit profitiert. Wovon ich heute noch profitiere vom Studium und deswegen würde ich auch echt ganz altmodisch jedem empfehlen, ein Studium zu machen und auch abzuschließen: Bei einem geisteswissenschaftlichen Studium, das man irgendein Problemansatz bekommt und den recherchiert, bearbeitet und löst. Ich habe beim zweiten Nebenfach Kunstgeschichte alles vor mir hergeschoben und das ganz am Schluss gemacht. In den letzten Seminararbeiten habe ich mich mit Themen beschäftigt, von denen ich null Ahnung hatte, hab mich aber dann quasi so professionell damit beschäftigt und recherchiert und Theorien entwickelt, dass das sehr gute Arbeiten wurden. Danach war mir klar - und das hilft auch definitiv im Berufsleben später - dass man Recherche-, und Problemlösungsstrategien schon an der Uni lernt - einfach durch die Selbsttests. Disziplinierung durch learning by doing in ganz, ganz vielen Sachen. Da kann man gleich mal darauf zu sprechen kommen, bin ich halt mein ganzes Leben lang Autodidakt gewesen.
20:31
Alex: Das heißt, das sind Sachen die du in deinem Studium gelernt hast? Was war denn das Wichtigste, was du in den ersten Jahren TV-Produktion jetzt bis heute für dich mitgenommen hast? Aus diesen ersten wenigen Jahren als Frischling in der Branche?
20:46
Manuel: Dass man lernt, dass man sich nicht jeden Scheiß sich gefallen lässt. Da gab es dann schon so Aufträge wie: Stell dich mal auf den Stuhl und klatsch das Publikum an - "Bibel-Quiz" war die erste Gameshow, die wir da gemacht haben. Dann habe ich irgendwann gesagt: Habt ihr keinen anderen Job für mich? Ja, das war ja auch die Zeit, dass diese Unsitte losging, dass man ganz, ganz viele Arbeit von Hospitanten erledigen ließ - das ist ja heute noch Gang und Gäbe. Eigentlich sollten diese einen Vertrag als Redaktionsassistent bekommen und auch so bezahlt werden, aber die werden dann ausgebeutet. Das ist die berühmte Generation Praktikum. Da kriegt man natürlich auch manchmal Jobs gedrückt, wo man denkt, die mach ich jetzt mit zusammengebissenen Zähnen. Aber eigentlich sind die unwürdig. Und da habe ich dann doch irgendwann gemerkt, da anstatt das in sich reinzufressen und dafür zuhause irgendwie Frauen und Kinder zu schlagen, dann sage ich da doch lieber meine Unzufriedenheit. Wenn man das ein bisschen sympathisch macht und da nicht irgendwie rumbrüllt, sondern einfach sagt überleg doch mal, könnte ich nicht dies oder jenes...da hab ich einfach die besten Erfahrungen gemacht. In meinen ersten Jahren im Fernsehen habe ich eigentlich eher was über die Arbeitswelt überhaupt gelernt.
22:33
Alex: Es kam ja dann nach den ersten Erfahrungen, der Wechsel zur Harald-Schmidt-Show. Ist es über Empfehlung gelaufen oder über eine Bewerbung? Ich finde es interessant, weil es ja doch eine eigene Nischenbranche für sich ist vom klassischen Arbeitsmarkt gesehen...
22:47
Manuel: Das ist eine Mega-Nische! Da war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mein Chef dieser Fernsehproduktion, Sebastian Lenz, der ist 1992 oder 1993 als Unterhaltungschef zu Sat 1 gegangen nach Berlin. Und ich habe dann initiativ gefragt, ob er nicht einen Job für mich hat. Ich sah wie diese kleine Firma den Bach runter ging. Dann hab ich einfach bei Sat.1 angefangen. Ach ja und noch wichtig ist im Zusammenhang mit Studium zu sagen: Als ich dann nämlich meine Festanstellung bei Sat 1 bekommen sollte, da hat dann mein damaliger und auch eben dann auch Sat 1 Chef Sebastian Lenz so ein bisschen herumgedruckst und sagte: "Das mit der Festanstellung ist von mir aus alles kein Problem, aber die Personalabteilungen sind hier so spießig bei Sat1 - alles alte ZDF Leute - da muss man mal gucken, wie man das fummeln, denn die machen eigentlich nur Festanstellungen für Leute in der Redaktion mit einem abgeschlossenen Studium". Dann sagte ich: "Wo ist da dein Problem? Ich habe ein abgeschlossenes Studium." Und er: "Ach, wusste ich nicht!" Der hatte vorher zwei, drei Jahre mit mir gearbeitet, und das war auch nie (ein Thema). Meine Kollegen, die waren früher Zahntechniker oder Tischler gewesen und haben dann einfach in der Fernsehbranche Karriere gemacht. Animateure! Tausende Animateure vom Club Med haben mich in der Fernsehkarriere in der Frühzeit begleitet, die dann irgendwie Redakteure geworden sind oder Produktionsleiter oder sowas - ist ja auch ne ähnliche Job Description. Also einfach der Menschen-Dompteur und Animateur. Men Studium, das wollte natürlich keiner sehen. Es wollte auch keiner sehen, was ich da für eine Abschlussnote gemacht habe. Das interessiert ja nie mehr ein Schwein! Aber für diese dann etwas altmodische Personalabteilung bei Sat1 war das wichtig - der hat was zu Ende gebracht, hat ein abgeschlossenes Studium. Und dann hatte ich wirklich einen festen Vertrag bei Sat1 und das war ja alles nicht vorhersehbar! Dann habe ich anderthalb Jahre für Sat 1 ungefähr gearbeitet. Für so Qualitäts-Game Shows wie "Geh aufs Ganze" mit Jörg Dräger mit dem Schnurrbart und dem ellenlangen Mikro und dem Zonk. Da war ich dann eben nicht normales Redaktionsmitglied, sondern quasi der Sat1-Aufpasser. Dann kam Kogel, der neue starke Mann bei Sat1 und brachte Gottschalk ,Fritz Egner damals auch eine große Nummer war, und Harald Schmidt mit zu Sat.1 und da hieß es halt: Naja, wer übernimmt denn jetzt den Job des verantwortlichen Redakteurs bei der Harald Schmidt Show und alle alten Hasen bei Sat1, die haben sich schon die Hände gerieben oder sind in den Hahnenkampf gegangen, wer das übernimmt. Und dann wurde es aber der kleine junge Andrack mit Ende 20!
26:03
Alex: Du warst ja Redaktionsleiter. Da würde mich interessieren, wieviel man da eher mit den konkreten Inhalten, die in der Show zu tun hat oder ob man eher das Übergeordnete plant.
26:14
Manuel: In den ersten drei Jahren war ich der verantwortliche Redakteur von Sat.1. Da hatte ich halt mit dem Produzenten Jörg Graber und mit Harald selber viel zu tun, der teilweise auch mit dem Chefautor und ich war natürlich auch bei allen Sitzungen dabei, aber mit dem Tagesgeschäft hatte ich sozusagen nichts zu tun. Ich war also eigentlich nur Ober-Kontrolleur, der Stasi-Mann vor Ort! Das änderte sich dann, als ich ab 1998 bei Harald auf der Paywall war und sein Redaktionsleiter (wurde). Da habe ich mich dann am Anfang ganz klassisch eher um die Gäste gekümmert und bin dann aber auch immer mehr in die Rolle dessen reingerutscht, der das Gesamtprogramm zusammenstellt. Die Aktionen und die Filme koordiniert und (dann wurde ich) so eine Art Mischung aus Chefautor und Redaktionsleiter. Nachdem die Show dann ab Anfang der Nullerjahre immer weniger auf festgeschriebene Comedy in Sketch-Form geeicht war, sondern mehr in eine Art intelligentes Impro-Theater gegangen ist, da bin ich dann auch sehr, sehr stark in die inhaltliche Richtung gegangen und habe mir dann auch die eine oder andere Aktion ausgedacht.
27:36
Alex: Aber im Prinzip war es ja auch dort learning by doing. Das heißt, da bildet man sich nicht irgendwie weiter, sondern macht es halt dann einfach wie es kommt.
27:42
Manuel: Man macht es einfach, es war eine tägliche Show. Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann wurd sich nicht großartig gegeißelt, sondern einfach gesagt: "Naja - morgen ist die nächste Show und dann probieren wir es da mit anderen Sachen!" Dann hat man natürlich gesehen, welche Sachen super ankamen. Zum Beispiel Wichteln. Wichteln mit Susanna, Helmut, Harald und Manuel. Das war natürlich schon eine großartige Sache. Und da wären wir auch schön blöd gewesen, wenn wir das nicht jedes Jahr gemacht hätten, denn die Leute freuten sich schon drauf.
28:21
Alex: Es gab ja auch ziemlich viele Darstellungen von Alltagssituationen, die ja wirklich grandios waren, fand ich. Gerade in diesen drei Jahren. Was war denn für dich deine persönliche Lieblingsfolge? Ganz banale Frage...
28:33
Manuel: Ich habe zuletzt meiner neunjährigen Tochter mal gezeigt, was Papa ganz früher mal gemacht hat. Da hab ich mir mit ihr angeguckt, was immer noch sehr, sehr lustig ist: Harald und Manuel fahren im Zug. Wir haben uns einfach zwei Stühle auf die Bühne gestellt, unseren Tisch dazwischen, und dann war das das Zugabteil. Es ging hauptsächlich um das Essen, was wir während dieser Zugfahrt essen und vorbereitet haben. Ja, ich kriege heute noch Mails von jungen Leuten, die heute 17, 18, 19 sind, die das alles nur von YouTube kennen und die immer noch sagen: "Hey, wann macht ihr denn nochmal was - das war die lustigste Show aller Zeiten." Und da merkt man, obwohl das ja jetzt schon echt lange her ist, so 17, 18, 19, 20 Jahre - die gute alte Zeit - der Humor funktioniert immer noch!
29:22
Alex: Genau - ich schaue das auch selbst immer auf YouTube. Die alten Folgen kenne ich im Prinzip wahrscheinlich fast alles in und auswendig. Tatsächlich bin ich wirklich gerade von dieser Zeit großer Fan. Auch eine Hörer-Frage haben wir da, denn dieser angesprochene FC-Fan (von Anfang unseres Gesprächs) hat sich tatsächlich gemerkt, dass du mit Helmut Zerlett auch Spieleabend gemacht hast, zumindest wurde das in der Show mal erwähnt. Er hätte gerne gewusst, ob das eben nur dramaturgisch oder ob das auch gestimmt hat. Und falls ja, was ihr denn da so gespielt habt bzw. was denn deine Gesellschaftsspiele sind, die du so privat mit dem Helmut Zerlett machst?
29:54
Manuel: Das war ein Gag...
29:56
Alex: Schade...
29:56
Manuel: Das war ja natürlich auch ein bisschen das Kunststück. Wir wurden ja immer gefragt, was da geschrieben und was improvisiert war. Wir haben dann immer gesagt, dass wäre so eine Coca-Cola Mischung was natürlich völlig gelogen war. Es war alles improvisiert. Es wurden nur Rahmen vorgegeben. Aber es sollte ja auch immer ein bisschen unklar sein, was wir da erzählen. Ist das jetzt wirklich? Stimmt das? Ist das jetzt wirklich aus dem Nähkästchen geplaudert? Ist das privat oder ist das kompletter Unsinn? Das haben wir natürlich offengelassen, weil sonst machts ja keinen Spaß.
30:30
Alex: Du hast ja dann auch - das bezieht sich quasi noch auf die Show, aber auch eher persönlich auf dich - immer dann irgendwann pro Tag oder pro Folge ein Bier getrunken. Und ich kann mir vorstellen, in der Medienlandschaft wird danach auch gerne mal mit Gästen oder im Team weitergemacht. Wie ist es denn dann mit dem Alkoholkonsum, wenn man dann täglich schon mal anfängt, um 16 oder 18 Uhr war ja dann die Show, die Aufzeichnung...
30:55
Manuel: Das war ja nur ein Bier.
30:56
Alex: Kam da nicht noch mehr dazu?
31:00
Manuel: Nein, nein, nein, nein, nein....Das ist jetzt irgendwie kein Spaß. Das war vielleicht in den ersten Monaten so, dass dann auch Harald mit den Gästen '95, als es losging, '96 mit so einem Supermodel Nadja Auermann dann noch bis nachts um drei in der Bar bei uns im Capitol etwas getrunken hat. Aber das hältst du nicht durch, wenn du das vier oder fünf Tage die Woche machst. Als wir dann auch die Aufzeichnung auf 18 Uhr verlegt haben, dann war 19 Uhr Feierabend und dann haben alle gesagt "Tschüss, bis morgen". Es gab keine Nachbesprechung, es gab kein Aftershow Bier, nix. Und die Antwort auf die Frage ist, wer zu Hause noch ein Bier getrunken hat, hat eins getrunken und sonst nicht.
31:48
Alex: Also dann doch ganz, ganz konsequent geblieben und nicht so dieses Klischee, was man sich denkt, bei den Medien gehts immer rund danach.
31:56
Manuel: Nein, ganz, ganz festgelegte Arbeitstage, 9 bis 19 Uhr, auch Harald und ich (hatten) kleine Kinder (zu der Zeit), und man geht halt zur Arbeit und abends kommt man wieder nach Hause.
32:10
Alex: Was ja noch eine weitere Leidenschaft neben dem Bier ist - Das hat man ja damals auch schon immer wieder gehört, auch in der Show. Aber dann jetzt auch für dich später, ist ja das Wandern - dein Beruf. Ich muss sagen, ich bin auch erst vor ein paar Jahren zum ersten Mal Wandern gewesen, obwohl es hier relativ viel Möglichkeiten gibt. Gerade die Voralpen und Bayerischer Wald und so. Da hab ich auch, wo ich das zum ersten Mal gemacht habe und wirklich stundenlang den Berg hoch gegangen bin, gemerkt, wie befreiend es ist, dass man plötzlich an nichts mehr denkt und nur noch geht. Ist es für dich dann auch ein Hauptgrund, das zu tun (=wandern)? Oder geht es eher um die Natur und solche Dinge?
32:52
Manuel: Um die Natur und so n' Scheiß wolltest du sagen? *lacht*
32:56
Alex: Ne ne, um das Ausflugmäßige? Oder ist es dann eher eine innere Motivation?
32:59
Manuel: Nein, nein. Es geht mir darum, dass es mir nach jeder Wanderung einfach besser geht als vorher. Das finde ich irgendwie toll, das kommuniziere ich auch. Und dafür werbe ich halt eben auch auf meinen Plattformen fürs Wandern. Aber interessant ist, dass es anscheinend auch vom Bewusstsein her einen großen Unterschied zwischen Hochgebirgs- und Mittelgebirgswandern gibt. Denn das, was du sagst, empfinde ich nie so, weil wir im Saarland, im Rheinland, in Thüringen und Sachsen usw. nicht so hohe Berge haben. Deshalb gehen wir nicht stundenlang den Berg hoch, sondern vielleicht mal 20 Minuten den Berg hoch, dann gehen wir wieder runter und wir gehen vor allem viel flach. Da ist ja dann das Interessante, dass man nicht mehr an nichts denkt, sondern dass man im Gegenteil an sehr, sehr viel denkt. Sören Kierkegaard, der bekannte dänische Philosoph, hat mal gesagt: "Ich habe keinen einzigen Gedanken in meinem Leben gedacht, den ich nicht beim Gehen, beim Wandern gedacht habe oder erdacht habe. Und genauso geht es mir eigentlich. Das ist jetzt natürlich nicht hoch philosophisch wie bei Kierkegaard. Aber irgendwie springt die Kreativität ... Irgendwie springt einfach so der Hirn-Apparat erst an, wenn man geht. Das ist meine Erfahrung.
34:25
Alex: Man kann im Prinzip sagen, wenn jemand im Job kreativ sein muss und keine Ideen hat, dann sagt man ihm: "Geh doch mal wandern, dann kommst du auf Ideen". Jetzt sind wir bereits beim Wandern gewesen, aber wir kommen ja fast schon in die Richtung deiner aktuellen Karriere. Dann gab's eben damals den Abschied von Harald Schmidt. Und dann ist da sicherlich die Frage: "Was macht man jetzt?" Danach haben sich sicherlich viele Leute bei dir gemeldet, kann ich mir vorstellen?
34:50
Manuel: Nee, geht so. Ich meine, im Nachhinein kann man meine Biografie so lesen: Er hat mit Harald Schmidt aufgehört, hat dann überlegt - Was macht er jetzt? - und ist dann aufs Wandern gekommen. Das war natürlich nicht so. Das hat sich ja überlappt. Mein erstes Wander Buch ist im Februar 2005 erschienen. Ich hatte ja erst Zeit, das zu schreiben, als dieses kreative Pausen Jahr war, 2004 zwischen Ende Sat.1 und Anfang ARD. Ich habe ja dann noch zweieinhalb Jahre bei Harald Schmidt gearbeitet - für Harald Schmidt und auch noch als Pocher da war - habe aber während dieser Zeit Bücher geschrieben. Ich habe mein zweites Wander Buch geschrieben. Ich habe mein Buch "Meine Saison mit dem FC" geschrieben, über diese ganzen Spiele, die ich da in Deutschland und in Köln mit meinem Verein erlebt habe. Und ich habe noch ein viertes Buch herausgebracht. Und dann gab es Lesungen. Das heißt im Prinzip, das Ende von Harald war arbeitsmäßig so ein bisschen, als wenn man jetzt irgendwie bei Mama und Papa auszieht. Und eben auch nicht mehr das regelmäßige Gehalt und die Sicherheit einer quasi Festanstellung, sondern dass man halt einfach auf eigenen Füßen steht und guckt: wie kann man sich da in dieser großen weiten Welt der Autoren, der Lesungen, der Vortragenden und so weiter behaupten?
36:25
Alex: Und ja, ich habe dann auch ein bisschen Gefühl gehabt... Ich habe dann auch danach die Werdegänge der Leute, die bei der Harald Schmidt Show dabei waren, verfolgt und ich hatte bei dir immer so ein bisschen den Eindruck, was man so im Fernsehen gesehen oder gelesen hat, dass du das tust, was du schon immer tun wolltest, quasi mit Verspätung. Ist das denn so ein Eindruck, der stimmt?
36:39
Manuel: Ja, aber auch da war irgendwie ja viel Zufall oder Glück dabei. Das war ja nicht abzusehen und auch nicht zu planen, dass ich wirklich mit dem Thema Wandern fast meine kompletten Umsätze mache als Selbstständiger. Das erste Buch war ein ziemlicher Erfolg, und dann kamen irgendwann die Anfragen der Touristiker, und dann kamen die Anfragen der Hersteller von Outdoor Klamotten und Wanderschuhen und weiß ich nicht, was noch... Und irgendwie führte eins zum anderen. Aber es gibt jetzt eben auch keinen Lehrberuf "Wanderer". Obwohl ich als Titel meiner Tätigkeit "Wandermeister" schöner finde, als Wander Papst, bin ich kein Wandermeister, der Lehrlinge ausbildet. Muss ich jetzt mal dazu sagen.
37:37
Alex: Wahrscheinlich ist es etwas, das viele Leute interessiert oder inspirieren kann, sowas mit einzubauen - Thema Kreativität. Ich glaube, wenn man das Leuten erzählt, die wirklich solche großen Kreativitätslücken haben und die das noch nicht wissen und das mal probieren, dann fühlen sie sich, glaube ich, sehr inspiriert durch solche Möglichkeiten.
37:54
Manuel: Ja, man muss sich halt irgendwie seine Nischen suchen. Ich meine, wenn jetzt einer sagt: "Ich mache jetzt einen Wander Podcast." Ich weiß nicht, ob sowas irgendwie etwas bringen würde. Ich bin ja total analog und kenn mich da überhaupt nicht aus. Dann kann der da vielleicht auch seine Nische finden. Es gibt da schon ein paar Nischen des Wander Berufs wie Wein Wandern und mit Kindern Wandern und Wander-Incentives, Events und weiß der Teufel was... Und da ist schon was möglich. Da geht noch was!
38:31
Alex: Also ich denke, der Wanderpodcast von Manuel Andrack würde, glaub ich, schon ziemlich durchschlagen können. Da bin ich mir ziemlich sicher.
38:37
Manuel: Echt? Naja mal gucken...
38:38
Alex: Du hast ja im Vorgespräch diesen Tipp erwähnt: "Macht nichts mit Medien". Das hast du ja gleich direkt erwähnt. Vielleicht kannst du das ja nochmal ausführen, weil im Prinzip hast du ja viel drin gemacht in den Medien - warum also nicht?
38:57
Manuel: Ja, das war natürlich auch irgendwie so der Gag schon Mitte der 90er Jahre, das dann irgendwie junge Menschen gesagt haben: "Was willst du machen?" "Irgendwas mit Medien! Man sollte schon wissen, was man will, und wenn man da für irgendwas brennt, will ich jetzt keinem da irgendwie die Lust und Laune vermiesen. Aber ich hab natürlich schon mitbekommen, wie auch Produktionsfirmen und ganze Sender komplett den Bach runter gegangen sind. Also ein Beispiel unser Nachbar. Lange Jahre lang war der ehemals hippste Sender Deutschlands Viva mit dem Ableger Viva 2, wo Charlotte Roche moderiert hat. Die gabs halt einfach irgendwann nicht mehr mit ihren 300-400 Mitarbeitern. Und dann hat man sie ja schon gefragt, gerade in so einer Medien Stadt wie Köln: "Was machen die jetzt alle? Wo kommen die denn jetzt alle unter?" Und dann entstanden gerade auch in den Neunzigern unglaublich viele Ausbildungswege, Bildungsgänge, egal ob an einer Universität oder auch praktischer Art, so Medien Studiengänge. Und da habe ich mich mal gefragt: "Wo arbeiten die denn alle, die Leute? Wo können die denn wirklich so arbeiten, dass die auch am Ende des Tages vielleicht eine Familie ernähren können und nicht zum sogenannten Medien Proletariat gehören?" Und jetzt gerade in Zeiten von Corona hat man mal wieder gesehen, dass das alles überhaupt nicht lustig ist. Dass dann plötzlich fiktive Filme nicht mehr gedreht werden dürfen. Dass Sender Schwierigkeiten - wirtschaftliche Schwierigkeiten - haben, um neue Produktionen zu bestellen. Und so weiter und so fort. Also, wenn man Angebot und Nachfrage sieht, welche Jobs gefragt sind und wo wirklich kreativer Nachwuchs gefragt ist - da würde ich nicht in die Medien gehen. Ich beschäftige mich seit 2018, seit dem Raiffeisen Jubiläumsjahr, sehr, sehr intensiv mit dem Thema Genossenschaften. Wie hier bei Euch. Ich war eben noch bei euch auf der Homepage von OHRBEIT und da gibts ja auch Unternehmen, die bei euch suchen. Zwei Jobs von R+V Versicherungen, eine genossenschaftliche Versicherung. Und wo ich da jetzt auch den Einblick habe... also sowas wie Bankenbranche - das hört sich jetzt echt Blöd an - Bankenbranche. Versicherungsbranche. Da gibt's wahnsinnig kreative Leute und auch kreative Jobs. Das sollte man nicht denken. In der Bank heißt ja nicht, irgendwie schon lange nicht mehr an der Kasse zu stehen und der Oma 150 Euro oder Mark vom Girokonto oder vom Sparbuch auszuzahlen. Gerade heutzutage, bei Niedrigzinsen, ist das ein höchst kreativer Job, sich zu überlegen: "Wie kriege ich denn so eine Bank überhaupt ans Laufen und ans Geld verdienen?" Und ich glaube, wenn ich nochmal die Chance hätte, würde ich heute Bankier werden. Genossenschaftsbankier.
41:58
Alex: Man hat ja auch durch die Digitalisierung im Hintergrund so viele Jobs, die jetzt mit IT zu tun haben oder auch mit Marketing, die ja genau so auch in den Medien gemacht werden können. Es gibt Leute technischer Art, die könnten heute bei einem Fernsehsender arbeiten, aber genausogut bei einer Bank.
42:12
Manuel: Diese ganze Digitalisierung ist ja natürlich auch noch dieses Thema. Da ist einfach die Frage: Wie lange wird es denn überhaupt noch Fernsehen geben? Also jetzt mal ehrlich.
42:23
Alex: Also lineares Fernsehen wahrscheinlich nicht mehr so lange, kann ich mir vorstellen, ja.
42:26
Manuel: Eben, genau. Ich mein, im Filmbereich wandert alles zu Netflix und Co. ab. Das Amazon investiert, Disney investiert und, und, und. Da wird es noch ganz andere Digital Content Schlachten geben, nicht nur, was die Fernsehrechte angeht, sondern auch, was die Produktion von Serien, von Spielfilmen angeht. Am Ende des Tages auch von Shows. Dann wandern die Ganzen ins Netz. Und dass da jetzt nochmal mal jemand über die Hausantenne den coolen Fernsehsender RTL Plus empfängt, das ist, glaube ich, Vergangenheit.
43:04
Alex: Du hast es ja vorhin selbst erwähnt, du kriegst Briefe von 18 / 19-Jährigen, die sich alte Harald Schmidt Folgen auf YouTube anschauen und das wirklich tun, obwohl, sie könnten ja viele andere Sachen angucken. Wer hat sich denn früher, geh mal die Zeit zurück, irgendwelche alten Showmaster, wie Peter Frankenfeld, angeschaut? Hat ja keiner gemacht. Heutzutage wird es eher gemacht. Ist vielleicht ein blöder Vergleich...
43:25
Manuel: Vielleicht auch so ein Witz-Ding: "Guck mal, guckt mal wie altmodisch".
43:32
Alex: Wo man sagt: "Hey, es ist wirklich gut. Es ist viel besser, als was es heute gibt." Die Chance hat man halt dadurch, weils digital und immer verfügbar ist. Ich glaube, so wirds sein, dass Qualität auch überdauert, vielleicht sogar besser als früher.
43:44
Manuel: Leider verdien ich aber kein Geld mehr damit.
43:46
Alex: Klar, das ist das Problem.
43:47
Manuel: Selbst Harald nicht.
43:49
Alex: Ja, genau. Grundsätzlich ist es ein Ding, diese Verfügbarkeit und wie monetarisiert man solche Ideen oder überhaupt solche Sachen? Das ist auch klar. Das ist ja auch ein großes Medienproblem, auch von der schreibenden Zunft und solchen Sachen. JA - Das klingt ja immer alles so bei dir, dass du immer viel Glück gehabt hast und immer am richtigen Ort war.
44:08
Manuel: Hans im Glück - Manuel im Glück.
44:10
Alex: Ist doch schön.
44:13
Manuel: Ja, aber [...] meine Erfahrung ist, auch gerade als Selbstständiger, wenn die eine Tür sich schließt, öffnet sich eine Andere. Natürlich muss eine gewisse Qualität da sein, dass eben auch Leute, die ich einmal gebucht haben, für irgendeine Aktion, dann im nächsten Jahr nochmal kommen und dich buchen. Aber im Prinzip, glaube ich, gibt es so viel zu tun, für kreative Leute in diesem Land, dass man sich da nicht wirklich Sorgen machen muss. Und wenn sich der eine Glückspfad für mich geschlossen hätte, hätte sich ein anderer aufgetan. Aber das ist natürlich so, das habe ich auch, das ist Jahre her - ich könnte auch nicht mehr sagen, wo ich das gelesen habe - aber das war eine Umfrage bei deutschen Topmanagern, mittlere und obere Manager-Ebene, wie sie ihren Erfolg erklären. Es gab nur eine einzige Konstante: das Wort Glück. Das ist einfach so. Wer erzählt, er wäre an führenden Positionen da, weil er so ein geiler, toller Hecht ist, oder Hechtin, der lügt. Es ist wie beim Fußball. Über Glück wird nie geredet.
45:25
Alex: Ja, doch. Den Bayern-Dusel kennen wir gut.
45:29
Manuel: Jaa, der ist aber auch ein bisschen vorbei. Das war ja eher so ein 80er, 90er Jahre-Ding, wo sie dann in der 89. [Minute], also, ob das jetzt Bayern-Dusel ist, wenn die serienweise 6:1 gewinnen, würde ich jetzt mal bezweifeln. Also der klassische Bayern Dusel ist ja quasi in der 89. Minute noch irgendwie das Siegtor über die Torlinie zu stochern.
45:49
Alex: Ja, kam in den 90ern oft vor, gefühlt zumindest.
45:52
Manuel: Ja, richtig. Aber mittlerweile ist dann doch, zumindestens was die nationale Liga betrifft, die Überlegenheit teilweise wirklich erdrückend. Aber das ist halt einfach so. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder die richtigen Leute kennen. Und, es geht auch nicht immer darum, irgendwie Klinken putzen oder den Menschen auf den Sack zu gehen. Das ist vielleicht auch im Zusammenhang mit eurem Generalthema, eurer Podcasts interessant: auch als Selbstständiger mache ich die Erfahrung, wenn ich aktiv akquiriere, geht das meistens in die Hose. Dann habe ich den Eindruck, die Leute, bei denen ich akquiriere, die denken: "Was will der Andrack von uns.."
46:36
Alex: "Der will Geld haben"
46:39
Manuel: Ja. "Der will Geld haben, das hat er anscheinend recht nötig. Sonst würde er ja nicht diese Mail schreiben oder anrufen. Na, das überlegen wir uns jetzt aber nochmal zehnmal." Andererseits, wenn Menschen auf die geniale Idee kommen: "Mensch, wir könnten ja mal ein Wandertag mit Herrn Andrack machen, Mensch, der könnte uns doch dieses Buch schreiben, oder jenen Artikel." Das ist immer am besten. Das sitzt man dann natürlich da und wartet auf eine Mail für den nächsten Auftrag, aber so läufts am besten. Einfach passiv.
47:09
Alex: Da muss man indirekt einen Gedanken pflanzen und der kommt dann einfach bei den Leuten an.
47:13
Manuel: Konfuzianische Denken laut Zen: Handeln durch Nichthandeln.
47:19
Alex: Und das ist etwas, was dann so weitergehen könnte, für dich, oder hast du jetzt bestimmte Pläne. Also, ich kann mir vorstellen, eher schaust du jetzt weiter, dass eben dein Flow so weitergeht, wie er war, oder steht jetzt die nächsten Jahre etwas Bestimmtes an?
47:30
Manuel: Nein, das ist ja auch Quatsch. Businesspläne. Das funktioniert doch nirgendwo. Doch, das habe ich irgendwie in meinen Jahren bei Harald Schmidt gelernt. Eigentlich kochen alle mit Wasser. Das ist einfach so. Natürlich haben wir in den letzten Jahren sehr, sehr viele Lobeshymnen im Feuilleton lesen dürfen, und das hat ja auch Spaß gemacht. Aber wie oft haben wir gelesen: "Die haben diesen und jenen Plan" und: "Die haben gerade die Strategie geändert". Wir haben uns auf die Schenkel geklopft und haben gesagt: "Was denn für eine Strategie?" Wir gehen einfach jeden Tag raus, kloppen ein Programm zusammen und gucken, dass wir um 19:30 bei der Familie sind. Und stecken das Geld mit ein, nebenbei. Und, was denn für eine Strategie!? Als wenn es irgendwelche Unternehmensstrategien gäbe, das ist doch wie bei den alten [..], da muss man nur 'Krieg und Frieden' von Tolstoi lesen. Die ganzen Militärstrategien, da steht das eins zu eins drin: alles Bullshit hat noch nie funktioniert. Noch nie hat ein Schlachtplan funktioniert. Noch nie hat ein Businessplan funktioniert, weil eben das Leben manchmal andere Wege nimmt. So ist das einfach. Das muss man akzeptieren.
48:47
Alex: Ja und dieses: "Alle kochen nur mit Wasser". Das merke ich tatsächlich auch. Wir haben ja hier auch als kleines Team inzwischen mit vielen großen Unternehmen zu tun und auch sehr Bekannten. Da haben ja viele Leute, gerade auch z. B. Bewerber, Kandidaten, Bewerberinnen, teilweise immer sehr großen Respekt davor, und das brauchen die aber eigentlich gar nicht haben. Weil tatsächlich, es kochen alle nur mit Wasser, egal in welcher Position, egal bei welchem Unternehmen. Und wir merken es auch in diesen Podcastaufnahmen, weil wir haben ja auch diese Jobcasts, wo dann eben statt Stellenanzeigen kurze Jobcast eingesprochen werden. Da merkt man ganz klar: Egal welche hohe Führungskraft es ist, es ist für alle das Gleiche, da steht dann plötzlich ein Mikro davor, und dann ist jeder gleich, sozusagen. Und man merkt eben.
49:23
Manuel: Nackt, sozusagen.
49:25
Alex: Ja, genau! Und es kochen alle nur mit Wasser. Und da merkt man das tatsächlich, weil dann werden alle sozusagen auf eine Stufe gebracht. Und dieses Augenhöhe-Thema ist sowieso für uns auch ein sehr Wichtiges, dass wir das ja quasi herstellen wollen, von jedem Menschen, egal ob er jetzt ein Angestellter ist oder ein Chef oder so. Alle sollten gleich sein.
49:44
Manuel: Und in diese Richtung geht eben auch die Message: Lasst euch nicht von irgendwelchen Stellenausschreibungen, was da drinsteht, welche Anforderungen es gibt, lasst euch davon nicht irritieren. Auch das ist Quatsch. Wenn man gut ist, hat man sich das, was in einem Job gefordert ist, in kürzester Zeit drauf geschafft, weil ja sowieso jeder Job anders ist, selbst wenn man aus der Branche kommt. Was da immer dran steht - 38 Jahre Auslandserfahrung und diese und jene Diplome - alles Bullshit. Einfach bewerben und gucken.
50:19
Alex: Genau, das finde ich doch ganz, ganz gut. Ich habe noch eine persönliche Sache zum Abschluss. Ich habe ja auch immer deinen Musikgeschmack sehr geschätzt, zumindest was ich aus den verschiedenen Sachen mitbekommen habe, u. A. Die Ärzte und sehr viel auch wirklich harte Gitarrenmusik, sehr viel Punk und solche Sachen. Ist das denn weiterhin so, oder hat sich da auch, mit dem Alter sozusagen, etwas verändert?
50:41
Manuel: Also gut, ich begebe mich nicht mehr in die vorderste Pogo-Front. Wir haben hier im Saarland ein ganz tolles Festival, das dieses Jahr natürlich aus bekannten Gründen pausieren muss. Rocco del Schlacko - mit super Bands: Farin Urlaub, Racing Team, Beatsteaks, Fantastischen Vier, aber auch international Sachen Bad Religion und so weiter. Und da hat man mich schon -Offspring, sind also Helden meiner Jugend - da bin ich dann, ich sag mal vor drei Jahren, wirklich noch vor die Bühne gegangen, dritte Reihe, und wie heißt das - Wall of Death? Brille abgegeben und dann 'gib ihm'. Mittlerweile, ich bin jetzt 55 geworden, also irgendwann macht man sich ja auch lächerlich, und die Knochen machen auch nicht mehr mit. Aber der Musikgeschmack ist natürlich definitiv geblieben. Ich höre auch softere Sachen - Belle and Sebastian - oder Motörhead hab ich jetzt mal wieder entdeckt. Best of Motörhead. Wie geil ist das denn? Dazu kann ich auch super schreiben. Dann schreibe ich irgendwie über tolle Wanderwege und wie die Vögel zwitschern und dazu läuft Motörhead. [singt] Aber das motiviert mich einfach, das ist so eine Musik, die schön vorantreibt, vorangeht, und das finde ich super. Nein, und die Liebe zu "Die Ärzte" bleibt natürlich immer noch bestehen. 13. November, Köln - Ja, habe ich Karten, aber auch da weiß man ja nicht so genau, was da wird.
52:15
Alex: Ja, wird eng, wahrscheinlich genau. Du sagst ja auch "wiederentdeckt". Ich bin ja auch quasi ein Kind der 90er. Gerade da gab es so viele große Bands wie Rage against the Maschine oder Red Hot Chili Peppers die ich natürlich gehört habe. Das ist ja für mich so das Gefühl, heute hat sich die Musikproduktion ja auch sehr gewandelt, also ich kann überhaupt gar keine neuen Rockbands entdecken, weil ich immer alles von früher hör. Ist es so ein typisches Ding: "Ach ja, früher war eh die Musik meiner Jugend- oder jungen Erwachsenenzeit - ist das Beste, weil irgend so neue Sachen, weiß ich nicht, finde ich nicht.
52:47
Manuel: Ja aber auch scheiß Spotify.
52:49
Redaktion: Anmerkung der OHRBEIT Redaktion: Dies spiegelt lediglich die Privatmeinung von Manuel Andrack. Wir, von OHRBEIT, finden Spotify super!
53:00
Manuel: Ich mache das ja nicht, aber trotzdem. Ich bin ja so ein alter Sack, ich hör sowieso die Sachen von früher. Einer der Letzten, der mir noch gute Tipps gegeben hat, war Benjamin von Stuckrad-Barre, der ja auch eine zeitlang für Harald Schmidt als Redakteur gearbeitet hat. Und der hat mir dann noch so ein paar, damals neue Sachen wie Ash oder so hingelegt: "Hier hör dir das mal an, das wird dir bestimmt auch gefallen." Ja, ich mein, früher, in Ende der 70er., in den 80er Jahren, hat man halt Tag und Nacht Radio gehört, und da kamen dann die ganzen Neuerscheinungen, und da kamen ja wirklich viele super Sachen, die ich mir dann auf Musikkassette aufgenommen hab, mit Mixtapes und so. Und das gibt's ja heute nicht mehr. Also ich mein, entweder höre ich so einen Sender wie Rock Radio Classic, wo die ganzen alten, auch Punk Songs teilweise laufen, aber eben nur die alten Kamellen. Ja, oder ich höre dieses übliche, das Beste, es ist ja immer das Beste von früher, heute. Und das Beste von heute will ja nun wirklich kein Mensch hören.
54:00
Alex: Gut, aber da muss ich ein bisschen die Lanze für so Playlisten auf Spotify ergreifen, weil da findet man tatsächlich auch wirklich gute Playlisten, ebenso Mixtapes. Und da entdeckt man tatsächlich auch wirklich gute Sachen. Ich habe es heute zum Beispiel erst was richtig, richtig geiles entdeckt, und zwar die Band LOVE. Kennst du die, aus den 70ern? Klingt wie Jimi Hendrix experience und ist unfassbar geil, so wirklich harter Funkrock. Ich hab davon noch nie gehört, und da wurde jetzt irgendwie was remastered, und das gab es dann eben auf Spotify in einer Liste. Hab ich gehört und mir gedacht: "WOW. Ein Wahnsinn!" Und mir sofort gedacht, da muss ich jede Platte von denen hören, und die kann man da natürlich auch hören - das ist natürlich dann ein Vorteil. Ob das für die Künstler dann im Endeffekt so gut ist, ist wieder ein anderes Ding. Wenn man dafür nur seine zehn Euro zahlt im Monat.
54:40
Manuel: Also wenn man vernünftige Sachen von früher hören will, dann kann ich die beiden YouTube Kanäle: Andrack_1 und Andrack_2 immer sehr empfehlen.
54:53
Alex: Alles klar! Das ist doch mal ein gutes Schlusswort.
54:54
Manuel: Da gibts Punkrock voll auf die Ohren.
54:58
Alex: Ja, perfekt. Dann kann man eigentlich beenden. Das wars! Haben wir eine Stunde, das reicht.
55:03
Manuel: Ja, das reicht ja dicke. Mein Gott!
55:05
Alex: Wahnsinn, wie lang.
55:06
Manuel: Wollten eigentlich nur 5 Minuten machen, oder?
55:09
Cutter: So, jetzt reichts aber auch wirklich! Der Cutter macht jetzt Feierabend. Tschö!
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