Bewerbung ohne Lebenslauf als Zukunftsmodell

Wir denken nicht, dass Bewerbungen in den nächsten Jahren ohne den klassischen CV auskommen werden. Dennoch lohnt es sich für uns einfach mal in die Richtung 'Bewerbung ohne Lebenslauf' zu denken, um verständlich zu machen, dass ein erfolgreicher Bewerbungsprozess weit vor dem CV beginnt. Wir möchten dir die Gemeinsamkeiten zwischen Sales und HR aufzeigen. Für viele Menschen im HR-Bereich scheint diese Idee ganz schön out of the box zu sein: Menschen nicht gleich im ersten (Kennenlern-)Schritt auf ihren CV zu reduzieren und so zu vergraulen.

Wie Unternehmen an Kunden kommen

Es gibt viel zu wenige Fachkräfte für viel zu viele Vakanzen. Fachkräftemangel, you name it – eine ganze Industrie verdient sich eine goldene Nase mit der Hilflosigkeit der Unternehmen in diesem Thema.
Tagaus, tagein brüten interne Recruiter*innen und HR-Köpfe im ganzen Land, wie sie an die richtigen Menschen mit den richtigen Erfahrungen kommen. Wie kommt eine Firma an die richtigen Fachkräfte?
Hmmm schwierig… andere Frage:
Wie kommt ein Unternehmen an Kunden?
Nicht schwierig: Dafür gibt es doch den komplett ausdiversifizierten Vertrieb mit Business Development, Akquise-Teams, Key Account, Customer Success und so weiter…
Merkst du was?

Oftmals ist da wo Talent ACQUISITION Specialist draufsteht leider gar nicht mal soviel AKQUISITION drin, sondern eher HR-Behäbigkeit.
Es ist keine neue These, dass im Recruiting mittlerweile die Qualitäten gefordert sind, die auch im Vertrieb gefragt sind:
Kundenorientierung, Hartnäckigkeit, Durchhaltewillen und Dienstleistungs-Mentalität.
Aber ist das in der HR wirklich in allen Prozessschritten angekommen?

Wir bei OHRBEIT haben jahrelang im Bereich Headhunting, Recruiting und Personalbeschaffung gearbeitet und haben ein gewisses Erfahrungswissen gesammelt.
Gute Recruiter sollten sich beiden Seiten (Unternehmen und Bewerbenden) gleichermaßen verpflichtet fühlen. Leider gilt auf Unternehmensseite oftmals die Devise: Ohne CV geht hier erstmal gar nix! Deshalb denken wir neu und fordern: Ermöglicht die Bewerbung ohne Lebenslauf!


Bewerbung ohne Lebenslauf? Pah: Schick mir erst deinen CV sonst red‘ ich nicht mit dir!

Das ist die klassische Variante von schlechten und nur auf Quantität angelegtem Headhunting: Schick mir deinen Lebenslauf, vorher geht hier gar nix! Zurecht sind Generationen von Fachkräften von diesen Gesellen genervt. Wenn ein Mensch mit einem Anspruch auf unsere persönlichen Daten an uns herantritt, ohne sich zu erklären, dann nervt das.
Fällt dir etwas auf?
Schlechte Headhunter*innen agieren so wie die Otto-Normal-HR!
In den Human Ressources wird von Bewerbenden erstmal immer und ganz selbstverständlich etwas verlangt (ein CV!), bevor Ott-Normal-HR etwas (nämlich Einblick und persönlichen Kontakt) zu geben bereit ist.
Im Vertrieb würde sich jeder an den Kopf fassen bei diesem Vorgehen. Und wir finden komisch, wenn die HR keine Menschen gewinnt...

Stichwort Dienstleistungsgesellschaft: Wenn ich eine Jeans kaufen gehe, dann wird mir nicht am Eingang erstmal die Brieftasche gescannt, sondern dann lauf ich in den Laden rein und probiere einfach mal ne Jeans an – gekauft wird später!
Hier kommen wir zu den Vertriebskompetenzen, die in der HR oft unter-repräsentiert sind.
Die meisten Menschen, die im Sales arbeiten, warten nicht darauf, dass ihnen die Kunden proaktiv gegengezeichnete Verträge zuschicken, das wäre eher frech.
Menschen im Sales gehen auf Kunden zu, gewinnen sie durch Zuhören, überzeugen mit Argumenten und gehen in Vorleistung! Sie überzeugen durch ihr Angebot und im persönlichen Kontakt. Genauso machen das gute Headhunter*innen. Genauso sollten das gute interne Recruiter machen!
Die Zauberworte hier sind das Prinzip der Reziprozität und die Stärkung der persönlichen Beziehung.


Headhunter*innen haben immer ein Doppel-Mandat

Headhunter*innen haben immer ein Doppel-Mandat. Sie sind dem Unternehmen verpflichtet eine Vakanz zu schließen oder zumindest die passenden Bewerber*innen an den Start zu bringen.
UND sie sind den Bewerbenden verpflichtet die Bedingungen einer angebotenen Vakanz transparent und fair darzustellen. So zumindest die Theorie – wir wissen auch: Es gibt unfassbar viele madige Headhunter*innen, denen es nur um kurzfristigen Umsatz geht. Diese Spezies hat nur ein Mandat: Das Mandat des eigenen Geldbeutels.
Wer allerdings langfristig im Bereich Headhunting Erfolg haben will und einen Funken Moral hat, der erzählt keiner der beiden Seiten Quatsch und tritt als ehrliche Maklerin auf.
Jetzt kommt ein ABER, nein eigentlich ist es ein UND…
UND Headhunter*innen sind trotzdem immer in beide Richtungen auch im Verkauf tätig. Damit meinen wir nicht schmierige Gebrauchtwagenverkäufer aus dem mittleren Westen, sondern beratende ehrliche Verkäufer*innen mit Fachwissen in ihrem Gebiet.
Sie handeln wie im klassischen Vertrieb und kümmern sich um ihre Kunden. Sie wissen, dass sie sich bewähren und in Vorleistung gehen müssen, bevor sie etwas zurückbekommen. Sie bauen Beziehung auf.
Wie geht man nun vor, wenn man eine gute Bewerberin an der sprichwörtlichen Angel hat?


Sales geht in Vorleistung, HR will bedient werden

In Vorstellungsgesprächen hat sich, unserer Meinung nach, in den letzten Jahren viel verändert. Während früher Tribunale aufgebaut wurden, um Bewerbende mit Stress-Interviews zu geißeln wird sich heute immer öfter auf Augenhöhe begegnet – man möchte die Fachkraft ja gewinnen. Angebot und benefits werden dargelegt und es wird um das Personal geworben. In den Vorstellungsgesprächen ist der Sales-Aspekt der Mitarbeitergewinnung bereits angekommen.
Im Startvorgang eines Bewerbungsprozesses wird allerdings immer noch erst gefordert, um sich dann oftmals gar nicht mehr zurückzumelden.
Mit unseren Jobcasts® bei OHRBEIT sitzen wir – ähnlich wie Headhunter*innen- zwischen den Bewerbenden und den Firmen.
Wir sehen, wie sich Kontakte anbahnen und von Talent-Seite Interesse bekundet wird. Jetzt könnte ein guter Prozess starten. Im Sales würde man von Lead-Generierung sprechen. Aber nix da: Bewerbung ohne Lebenslauf ist nicht erlaubt.
Der Reflex der HR-Abteilung ist meistens: Hallo Frau XY, schick mal deinen CV rüber.
Eine Fachkraft im Bereich Sales würde nie so agieren. Im Sales würde ein Gesprächstermin angeboten werden zum kurzen Kennenlernen und zur Abstimmung. So agiert ein guter Headhunter auch und das klingt dann in etwas so: „Ich freue mich darauf Ihnen von meinem Angebot zu berichten – danach können wir gemeinsam schauen, ob Sie weitergehen möchten…“


Mehr Sales-Mentalität liebe HR-Crowd!

Wir wünschen uns im Startvorgang von Bewerbungsprozessen mehr Sales im HR-Bereich. Wir wünschen uns mehr Beziehungsaufbau bevor direkt der CV eingefordert wird.
Mit Sales-Mentalität bekommt man Kandidat*innen an den Start, die nicht einfach ihren CV durchschicken. Dann sparst du dir die Kohle für die Headhunter, denn die machen nix anderes: Sie kombinieren Recruiting mit Sales!
Bevor jemand weinen muss und rückmeldet: „Das kann ich nie und nimmer leisten!“ haben wir zwei gute Argumente es einfach mal zu probieren:
Erstens kannst du dir unabhängig vom Lebenslauf auf LinkedIn oder Xing schonmal einen guten Überblick verschaffen – du brauchst den CV gar nicht so früh im Prozess.
Zweitens: Deine Fixierung auf den CV lässt dir vielleicht gerade die Quereinsteiger*innen durch die Lappen gehen, die genau im Budget liegen würden und die tierisch motiviert sind bei euch zu arbeiten!

Probier einfach aus mit den Menschen in Kontakt zu treten ohne gleich den CV einzufordern! Mehr Sales und weniger HR-Standard-Vorgehen!
Der Mehraufwand bringt vielleicht genau die Menschen, die bisher in euren Teams fehlen. Vielleicht ist das dann doch ein kleiner Schritt in Richtung Bewerbung ohne Lebenslauf?

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